Jorien van den Herik: Der eigenwillige
Präsident eines eigenwilligen Vereins, rückt in den Hintergrund
Rotteram. Viele Jahre war er das gefundene Fressen der niederländischen
Sportjournaille: Jorien van den Herik, Selfmade-Man aus Rotterdam
- da wo die Hemden schon aufgekrempelt verkauft werden, weil in
Rotterdam eben
malocht wird. Der 56jährige Vorsitzende von Feyenoord Rotterdam
gilt als einer der 500 reichsten Menschen der Niederlande, spricht
aber nicht gerne über seinen wirtschaftlichen Erfolg. Mehr
als 20 Mio. Gulden (18 Mio. Mark)
habe er nicht auf der Bank, sagt er - ohne abzustreiten, daß
in Großbritannien zwei Betriebe und in den USA fünf Betriebe
auf seinen Namen laufen. Asphalt, Stahl, Auto-Teile - das ist seine
Berufswelt.
Nicht wenige sagen: Sein Verstand ist in der Geschäftswelt,
im Big Business, zu Hause , sein Herz schlage für Feyenoord.
Nach dem Gewinn der Meisterschaft 1993 mit Trainer Wim van Hanegem
dauerte es nicht lange - und
der kantige Trainer war draußen bei Feyenoord. Die von Van
den Herik betriebene Personalpolitik beim 14fachen niederländischen
Meister (inkl. 1999, Ajax 27x, PSV 14x) produzierte einen Flop nach
dem anderen.
Sein Faible für London, England und Manchester United brachte
ihn auf den Gedanken, "nur noch Profis in die Leitung"
mit einzubeziehen. Es kam die Stunde von Leo Beenhakker als Trainer
und Rob Baan als Technischem Direktor. Seit dem Herbst 1997 sind
beide dabei, Feyenoord ein neues Gesicht zu geben. Das Ergebnis
kann sich schon nach relativ kurzer Zeit sehen lassen. Feyenoord
gilt nicht mal drei Jahre nach dem Bosman-Urteil als Vorbild für
die niederländischen Profiklubs: Zusammensetzung der Kader
nicht überwiegend mit Ausländern, Sicherstellen von "doorstroming",
dem Ausbilden von Jugendlichen für die erste Liga.
Wer in das aktuelle Aufgebot des 14fachen niederländischen
Meisters aus der größten Hafenstadt der Welt schaut,
wird mit Kalou (Elfenbeinküste), Dudek (Polen), Tininho (Brasilien),
Cruz (Argentinien), Tomasson (Dänemark) oder
Korneev (Rußland) immer noch genügend ausländische
Namen antreffen, aber es überwiegen die Van Gobbels, Vos, Bosvelts
oder Zoetebiers. Und - was noch bedeutsamer ist: In der Jugend rücken
die Stars von morgen nach: Steve Olfers, Cor Varkevisser oder Eby
Smolarek. Und beim Aufgebot für die neue Champions-League-Saison
1999/2000 läßt man sich auf seiten der Rotterdamer leiten,
niederländische Spieler zu verpflichten. Und gilt damit auf
einem Male als Vorbild für die gesamte Liga, angefangen bei
Ajax und PSV Eindhoven.
15-März-2001