Freddy Heineken ist tot - Hollands Bierbrauer Nummer 1 in Noordwijk
verstorben
Noordwijk. Europas größter Bierbrauer lebt nicht mehr.
Am Donnerstag verstarb der 78-jährige Freddy Heineken in seiner
niederländischen Villa im Badeort Noordwijk. Heineken machte
aus dem großväterlichen Betrieb in
Amsterdam einen Weltkonzern - im Biergeschäft seit vielen Jahren
weltweit die Nummer 2 hinter Budweiser.
Mehr noch als das Biergeschäft ("Bier ist nur ein Erfrischungsgetränk,
bei dem man nach vermehrten Genuss öfter auf die Toilette zum
Wasserlassen muss ") reizte den neben Johan Cruyff und Königin
Beatrix bekanntesten Holländer die Werbebranche. In einem heißen
Sommer Mitte der 90-er Jahre schauten die 16 Millionen Niederländer
vom altern möglichen Bushaltestellen Bierdosen, die mit perlendem
Wasser offensichtlich gerade aus dem Kühlschrank kamen. Deutlich
sichtbar: das Haltbarkeitsdatum September. Bildunterschrift: "Ob
die Dose das bis dahin noch schafft..."
So war es auch kein Wunder, dass Hollands Bierbrauer Nummer 1 bei
den Auszeichnungen für Top-Werbekampagnen in seiner Wahlheimat
an der Côte d' Azur regelmäßig mit besonderen Auszeichnungen
bedacht wurde. Freddy Heineken lebte meist zurückgezogen in
seiner Villa in Cap d'Antibes am Mittelmeer.
Königin Beatrix und Prinz Claus gehörten zu Heinekens
Freundeskreis, ebenso Prinz Bernhard.
Großvater Gerard Adriaan Heineken gründete 1864 die
Brauerei in Amsterdam. Nach der Schule ging der am 4. November 1923
geborene Alfred (Freddy) Heineken in den Dienst des Betriebes seines
Vaters Henry Pierre Heineken. Nach dem Krieg baute der äußerst
ehrgeizige und clevere Firmenchef Fredy Heineken die Bierbrauerei
aus der niederländischen Hauptstadt zu einem weltweit agierenden
Konzern um. Von 1971 bis 1989 war er
Vorstandsvorsitzender bei Heineken, sechs weitere Jahre Aufsichtsratsvorsitzender.
Vor zwei Jahren überschritt der Konzern erstmals die magische
10-Mrd.--Gulden-Umsetzgrenze.
Eine Entwicklung, die am 9. November 1983 beinahe gestoppt worden
wäre, als Freddy Heineken mit seinem Chauffeur Ad Dobberen
entführt wurde, drei Wochen lang weltweit gesucht wurde. Am
Tag seiner Befreiung, so erzählte Heineken später seiner
Biografin Barbara Smit, habe er ein Telegramm seines Freundes Frank
Sinatra erhalten. Darin schrieb The Voice: "Warum hast du mich
nicht angerufen?" Seit der Entführung vermied Freddy Heineken
öffentliche Auftritte.
Den Sprung auf den deutschen Biermarkt wagte der Konzern noch zu
Lebzeiten des Firmenbegründers. Doch konnte sich Heineken bisher
auf dem diversifizierten Markt mit vielen namhaften, aber im Vergleich
zu Budweiser,
Heineken oder dem belgischen Heineken-Konkurrenten Interbrew kleinen
Marken bisher nicht entscheidend durchsetzen.
Heinekens Tochter Charlene de Carvalho, die mit einem Engländer
verheiratet ist und in der Schweiz lebt, wird die Konzernleitung
übernehmen. Heinekens einzige Schwester, Mary Franceska Heineken
aus Oegstgeest (Südholland), war im November 1995 gestorben.
Bis zu seinem Tode hatte Freddy Heineken 50,05
Prozent der Kontrolle der Heineken Holding. Das Vermögen des
verstorbenen Biermagnaten aus den Niederlanden wird auf 9,5 Milliarden
Gulden (8,5 Mrd. Mark, 4,3 Mrd. €) geschätzt.
Der Vater einer Tochter hinterlässt seine amerikanische Frau
Lucille und fünf Enkelkinder. Nur die Familie wird dabei sein,
wenn Heineken am Samstag, wie einige Zeitungen vermelden, auf dem
Allgemeinen Friedhof von Noordwijk beerdigt wird.