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Städte und Gemeinden

 

Rotterdam (600000 Einw.): Klein-Manhattan an der Nordsee

 
Die Niederlande sind ein kleines Land mit idyllischen Grachten, gemütlichen kleinen Häusern in ebenso großen Dörfern. Das gängige Bild, was sich so mancher Besucher aus Deutschland und anderswo über Holland macht, trifft für eine Stadt des Landes auf gar keinen Fall zu. Und das ist Rotterdam. Von der Einwohnerzahl ist die Stadt an der Maas hinter Amsterdam die zweitgrößte in de Niederlanden, was den echten Rotterdamer Lokalpatriotismus allerdings nicht irritiert. Denn ein geflügeltes Wort heißt hier: "In Rotterdam wird das Geld verdient, in Amsterdam ausgegeben". Und noch einen Landesrekord hält die Stadt an der Maas: Der Prins-Alexander-Polder in Rotterdamer Stadtgebiet weist mit 7,0 Metern unterhalb des Normaal Amsterdamse Peil (N.
A. P.) in der Berninistraat, genau an einem Elektrohäuschen, die absolut tiefste Stelle des Landes auf.

Aber es gibt noch mehr - gute - Gründe, weshalb Rotterdam eigentlich überhaupt nicht ins traditierte Holland-Klischee passt: Hier sind außer Philips die beiden größten niederländischen Konzerne zu Hause: der
Lebensmittelriese UNILEVER und der ™l-Gigant Royal Dutch Shell, immerhin der größte ™l-, Chemie und Gas-Konzern der Welt. Der Hafen von Rotterdam ist weltweit der größte Güter-Umschlagplatz, weit zum Beispiel vor Hamburg, dem deutschen "Tor zur Welt". Und schließlich hat der Rotterdam-Besucher im Zentrum eher das Gefühl in Klein-Manhattan zu sein als in einer holländischen Stadt. Zwischen Bahnhof und Maas reiht sich ein Wolkenkratzer an den anderen. Bei der Planung der Straße Weena scheint das Rotterdamer Bau-Motto - "Nur der Himmel ist die Grenze!" - verinnerlicht worden zu sein. Ähnliche Entwicklungen erfolgen am "Kop van Zuid", am südlichen Ufer der Maas, das durch eine neue Erasmusbrücke mit dem Norden verbunden ist.

Rotterdam ist auch eine neue Stadt. Moderne Architektur konnte sich hier nach dem zweiten Weltkrieg förmlich austoben. Rotterdam wurde zur Avantgarde-City der modernen Baukunst. Doch der eigentliche Grund dafür ist
weniger freundlich: Fünf Tage im Mai 1940 machten dem alten Rotterdam den Garaus. Die deutschen Bombardements sorgten allein am 14. Mai dieses Jahres dafür, dass die Hafenstadt in Schutt und Asche gelegt wurde. Vieles ist seitdem neu entstanden, neu gebaut worden, doch die Erinnerung an den Tod von über 1000 Rotterdamern, über 70 000 Obdachlosen, die Verwüstung von nahezu 25 000 Wohnungen, 69 Schulen, 24 Kirchen und vier Krankenhäusern ist nicht auszulöschen.

Rotterdam und Architektur - das ist nach dem Zweiten Weltkrieg ein eigenständiges Thema geworden. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jh. bildete der soziale Wohnungsbau in Rotterdam eine wichtige Komponente in der
Entwicklung der Stadt, deren Einwohnerzahl sich bis 1915 auf 450 000 Menschen vergrößert hatte. Von 1917 bis in die 30er Jahre prägte Architekt Jacobus Johannes Peter Out (1890-1963) als Stadtplaner von Rotterdam die neu entstehenden Wohngebiete. Sein erstes Projekt war die Siedlung Spangen. Zusammen mit Theo van Doesburg ("De Still") wählt er die Farbgebung aus, ohne dass diese auch ausgeführt werden. Schon hier zeigt sich eine Orientierung auf den Innenhof - eine Perspektive, die bei der Konzeption der inzwischen teilweise zerstörten Siedlung Tusschendijk noch mehr zum Tragen kommt (1920/21).

Ein kleines Dorf außerhalb der Stadt entstand mit der Siedlung Oud Mathenesse an der Peripherie. Der aus 343 Wohnungen gebildete in Form eines Dreiecks zusammengestellte Komplex wurde 1985 von der Stadt abgerissen. Als Architekten der Neuen Sachlichkeit macht sich Oud mit der Projektierung der Siedlung Kiefhoek einen Namen. Für sozial schwache Arbeiterfamilien skizziert Oud auf vier ha Fläche etwa 300 zweigeschossige
Reihenhaus-Wohnungen. Das sogenannte Weiße Dorf (Het witte dorp) von Oud wurde in den 80er Jahren wieder aufgebaut - Stück für Stück. Das provisorische Bauleitungsgebäude von Oud bietet nach dem Wiederaufbau der
Siedlung an der Stadtgrenze zwischen Rotterdam und Schiedam Platz für eine Ausstellung zum Wohnen und Leben im Weißen Dorf. Die Siedlung Blijdorp ist das letzte Oud-Projekt in Rotterdam (1931).

Die (**) Van-Nelle-Fabrik, Van-Nelle-Weg, ist ein in Fachkreisen weltberühmtes Beispiel für den Stil des neuen Bauens. Die Architekten Van der Vlugt und Brinkmann zeichneten für den Bau verantwortlich. Bürogebäude
und Produktionsstätten sind mit einem Glasflur verbunden. Ein Stahl- und Betonskelett bilden den rahmen für eine extensiv angelegte Glaskonstruktion. Sportplätze und eine Bibliothek gehören ebenfalls zum Fabrikkomplex. Seit 1984 steht das Gebäude auf der nationalen Denkmalsliste und war damit erst einmal vor dem Abriss geschützt. Der Staat und der Besitzer, Douwe Egberts, haben sich Anfang der 90er Jahre auf eine groß angelegte Restauration geeinigt (Fertigstellung: 1995).

Die Avantgarde-City der modernen Architektur nach dem Zweiten Weltkrieg bietet auch dem Niederländischen Architektur-Institut am Westersingel 10 ein Domizil. Zweimonatlich gibt es in der Einrichtung wechselnde Ausstellungen zu speziellen Themen; die umfangreiche Bibliothek ist nach Fertigstellung des Neubaus ebenfalls Bestandteil des zentralen niederländischen Dokumentationshauses. Im Zentrum für zeitgenössische Kunst Witte de With ist darüber hinaus das seit 1982 bestehende Niederländische Foto-Archiv untergebracht. Zur Sammlung gehört u. a. 550 000 Negative des bekannten niederländischen Arbeiterfotografen Cas Oorthuys, die vollständigen
Foto-Arbeiten des Dichters und Malers Lucebert sowie die Negative des Amateurfotografen, der die Erschießung von Amsterdamern am Befreiungstag durch deutsche Soldaten festhielt.

Im Zentrum von Rotterdam sind nach dem Krieg viele Bauwerke entstanden, die das Bild der Stadt prägen. 1946 präsentierte man einen Wiederaufbau-Plan, bei der Coolsingel als zentraler Boulevard der Stadt vorgesehen war. Das Nederlands Architectuur Institut, Westersingel 10, ist nicht ohne Grund in Rotterdam.

Es gib in Rotterdam weit weniger Brücken als in Amsterdam (638), doch sind viele von ihnen architektonische Industrie-Denkmäler. Die 1927 gebaute Eisenbahnbrücke "De Hef", eine Verbindung Über den Koningshaven, spielte bereits eine wichtige Rolle in dem Joris-Ivens-Film "De Brug" (1928). Am 14. Januar 1933 sprang der 19jährige Rotterdamer Lou Vlasblom vom nördlichen Turm aus fast 65 Metern Höhe und stellte damals einen Weltrekord auf. Der Mammuttanker Nedloyd Bahrein rammte 1978 auf seiner Jungfernfahrt 1978 die Hebelbrücke. Zweieinhalb Wochen war der Zugverkehr zwischen den nördlichen und südlichen Niederlanden empfindlich gestört. Mit dem Bau des Eisenbahntunnels (Fertigstellung: 1995) soll Verspätungen wegen der Hefbrug
der Vergangenheit angehören. Die Koninginnebrug stellte 1929 eine Straßenverbindungen zwischen Noorder
Eiland und südlichem Maasufer. Die Nieuwe Willemsbrug (1978-1981) verbindet die Insel in der Maas (1870 entstanden durch Abgrabungen) mit dem nördlichen Maasufer.

Die Autobahnbrücke (A 16) im Osten vom Zentrum schließlich, die Brienenoordbrug aus dem Jahr 1965, ist 1990 um eine zweite Bücke erweitert worden, um der ständigen Staus gerade hier Herr zu werden. Der Maastunnel im
Westen des Zentrums entstand zwischen 1937 und 1942. Zwischen Rozenburg und Maasluis, westlich von Vlaardingen, ist ebenfalls eine Überquerung der Nieuwe Maas möglich, und zwar mit der Autofähre.

Rotterdam ist zum einen die sogenannte Landstad mit in erster Linie Wohnbesiedlung, zum anderen gehört zu Rotterdam auch die Waterstad. Die Waterstad ist ein Dreieck an der Maas, das seit den 70er Jahren als
touristischer Anziehungspunkt entwickelt wird. Um die Häfen herum spielte sich das Alltagsleben der Seeleute und Schiffer ab. Hier sind inzwischen die bedeutendsten Museen, Geschäfte und auch Sehenswürdigkeiten der Hafenstadt. Von hier aus beginnen auch die Hafen- und Europoort-Rundfahrten. Ausgangspunkt eines Stadtspaziergangs durch das Zentrum von Rotterdam ist der Hauptbahnhof, ein in den 50er Jahren entstandenes Gebäude.

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