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Heerenveen - is Heineken - is heerlijk

 
Heerenveen. Die Runde im Café De Buorren im Dörfchen Langweer im niederländischen Friesland sitzt wie jedes Jahr zum Jahreswechsel zusammen. Der erweiterte Vorstand des Eisklubs muß Silvester 1998 nicht
ran und die Runde von Langweer auf dem See im Ort organisieren. Die paar Tage Frost im Dezember haben nicht ausgereicht. Ein Thema haben die Menschen trotzdem: die Eisschnelllauf-Europameisterschaft in
Heerenveen, mit dem Fahrrad keine halbe Stunde von Langweer entfernt.

Wieder hat es für die meisten nicht gereicht, wieder hat es bei der Kartenverlosung nur ein einziges Wochenendticket gegeben. Dabei hatten sie sich wie viele andere im Land der Windmühlen, Grachten, Holzschuhe auch, schon im Sommer beim zuständigen Organisationskomitee gemeldet. Doch in der Thialf, der nach dem friesischen Götterboten benannten 15.000 Menschen fassenden Halle, ist einfach nicht mehr Platz.

Wenn am Wochenende Gunda Niemann trotz gerade halbwegs auskurierter Grippe mit der deutschen Mannschaft nicht wie immer in Heerenveen im Hotel Postillion, sondern im neuen, kaum einen Steinwurf von der Thialf entfernten Hotel de Heide Quartier bezieht und ihren Europameister-Titel Allround verteidigen will, dann steht halb Holland, mindestens der friesische Teil des Landes kopf.
Eisschnelllaufen in der ersten überdachten Bahn der Welt - das hat etwas Heiliges an sich. Rob van Hout, einer der besten Eislehrer in der Schule des niederländischen Bondscoach Henk Gemser, erzählt seinen Anfänger-Schülern gern die Geschichte aus dem Jahr 1996. Im September war er derjenige, der als
erster das Eis der neuen Saison anlässlich von Werbe-Aufnahmen des Eisschnelllauf-Sponsors Aegon betreten durfte. Und er erzählt es jedes Mal so, dass man neidisch wird, nicht dabei gewesen zu sein.

Die niederländische Eisenbahn hat in der knapp 40.000 Einwohner zählenden Boom-Stadt mitten auf dem flachen Land nicht nur einen Bahnhof, sondern auch eine zweite Haltestelle für Intercity-Züge eingerichtet: auf
Steinwurf-Entfernung von der Eishalle - damit die "Tagestouristen aus Holland", wie man die Besucher aus den übrigen Teilen der Niederlande in Friesland gern nennt, schneller zur Thialf kommen.

Bei Großereignissen wie Europa- oder Weltmeisterschaften kommen mehr als 40.000 Menschen in die Thialf. Die Luft ist in den drei bis vier Stunden, in denen Mann gegen Mann, Frau gegen Frau auf dem von Eismeister Jan de Jong präparierten Eis gelaufen wird, zum Schneiden. Dass während der Wettbewerbe auf den Rängen ordentlich getrunken und gepafft wird, stört keinen. Die im Februar 1987 mit einer WM eingeweihte Halle ist perfekt belüftet, so dass Gunda Niemann und Co. von der dicken Luft auf den Sitz- und Stehtribünen kaum
etwas mitbekommen.

Ansteckend ist die Stimmung. Während bei den auswärtigen Top- Veranstaltungen die Blaskapelle Kleintje Pils Publikum und Sportler unterhält (zuletzt in Nagano) hat in der Thialf die Blauhuster Dakkapel das Sagen,
gibt während der Eisbereitungspausen in Thialf den Ton an. Und jeder schunkelt mit: "Heerenveen is Heineken is heerlijk". Für Österreichs Top-Star Emese Hunyadi Grund genug, sich ihrer Vergangenheit als Eiskunstläuferin zu erinnern. Zur Begeisterung des Publikums glänzt sie nicht nur über die 500- oder 1500-meter-Distanz, sondern auch noch mit Sprüngen (1/1-Drehung) - und das mit den langen Klappschlittschuhen.

Bei aller bierseligen Stimmung: es geht ums schaatsen, und fürs Publikum ums cijferen - um das Mitschreiben der Rundenzeiten über 1500, 5000 oder 10.000 Meter. Und darin ist jeder Experte; mit der Bierdose unterm Arm wird penibel jede 32er- oder 33er- Runde mitgeschrieben. Und wenn so jemand wie Frank Dittrich aus Chemnitz, auf den langen Strecken eine ernsthafte Konkurrenz für die Ritsma, Postma und Co. aus den Niederlanden, Ähnliches wie die einheimischen Top-Stars mit Millionen-Salär zuwege bringt - dann ist die Hochachtung, der Beifall fast genauso groß wie der Jubel, den Tonny de Jong, Annamarie Thomas oder der bärenstarke Rintje Ritsma bei ihren Auftritten auf dem geheiligten Thialf-Eis ernten.

Diejenigen, die zu den Glücklichen gehören, die sich für die Europameisterschaften qualifiziert haben - als Zuschauer wohlgemerkt - eine Karte ergattert haben, wollen es dann auch alle wissen lassen. "Opa - ik zit hier" heißt seit vielen Jahren ein Transparent, was vom niederländischen Fernsehen, bei jedem (!) Starter live dabei, gern ins Bild gehoben wird und in mindestens 50 Prozent der niederländischen Haushalte übertragen wird. Auch nach Langweer, knapp 15 Kilometer Luftlinie von der Thialf entfernt, wo sich viele wieder darüber ärgern,
keine Eintrittskarte erhalten zu haben.

 
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