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Sport in Holland - Feyenoord Rotterdam 2. Teil
 

Die Randale hat sich - so sehr die Feyenoord-Fans das größte Problem im Land sind, verschoben: Die kleinen Klubs müssen damit herumschlagen. Die Vorkommnisse beim Freundschaftsspiel in Groesbeek (1. FC Köln - NEC
Nijmegen) haben dies zum erstenmal auch für den deutsche Fußball deutlich gemacht. Als Hans Meyer noch Trainer bei Twente Enschede war, gab es in der Vorbereitung vergleichbare Randale in der Grenzstadt - bei einem
Vorbereitungsspiel zwischen Twente und FC Brügge: 8 Schwerverletzte. Ein Mitglied der radikalen Fanblocks von Twente gegenüber dem Algemeen Dagblad: "Die Auseinandersetzung war bereits einen Monat vorher im Internet
angekündigt." Rivalisierende Fangruppen zeigen sich untereinander bei der Polizei nicht an. "Das ist eine Art Gentlemen-Agreement", sagt einer, der bei der Randale Anfang August in Enschede dabei war. "Man muß solche Risiken einkalkulieren und nicht jammern, wenn man selbst mal etwas abkriegt. Zudem sind die verwundeten oft selbst schuld."

Henk Groeneveld, Vorsitzender des Centraal Informatiepunt Voetbalvandalisme (CIV=zentrale Informationsstelle für Fußballvandalismus) sagt zu den Konflikten, die sich inzwischen häufig außerhalb der Stadienabspielen: "In
den Stadien ist es allmählich so sicher, dass da nichts mehr passieren kann. Darum suchen die Gewalttätigen andere Wege; das überrascht auch die Klubs." Die Revanche in Belgien, wo Twente-Fans zusammen mit den verbündeten Schalke-Supporters die Schlacht von Enschede wiederholen wollten, fand übrigens nicht statt. Diese Liaisons sind international üblich: In Enschede erhielten die Randale-Fans des FC Brügge Unterstützung vom harten Kern von ADO Den Haag (2. Liga, berühmt-berüchtigt wie die Feyenoord-Hooligans).

Was macht die Polizei - speziell vor dem Hintergrund der deutsch-niederländischen Europacup-Duelle und der Euro 2000? EM-Hooligans werden an der Grenze zurückgewiesen; dafür liegt ein spezielles Drehbuch bereit, nach dem jeder EM-Einreisende in die Niederlande (Belgien überlegt ähnliche Maßregelungen) genau untersucht wird. Der für die EM 2000 in den NL verantwortliche Hauptkommissar Bakker gibt zu: "Es ist ein sehr hartes Mittel, um die Vereinbarung von Schengen zeitweise außer Kraft zu setzen."
Die Stadien, speziell in Rotterdam und Eindhoven, sind so gebaut, dass Fans vom Bahnhof in die Straßenbahn direkt ins Stadion in ihr - abschließbares - Supporter-Fach geleitet werden können. Jorien van den Herik, Feyenoord-Vorsitzender, hat nach den jüngsten Vorfällen in der Winterpause bei Bayer Leverkusen beschlossen, dass die
Rotterdamer keine Anhänger mehr zu Auswärtsspielen in Europa mitnehmen: "Die Grenze des Erträglichen ist erreicht; die Bilder sind rund um die ganze Welt gegangen, unser Name ist erneut besudelt. Ich will und kann das nicht mehr tolerieren." - Dafür hat sogar der harte Kern der Fußball-Fans in Rotterdam Verständnis. Fan-Vorsitzender Willem Veenman: "Wir haben 90 bis 95 gute Anhänger, aber die anderen sind nicht mehr zu führen."
Die Polizei will das Stadionverbot für Hooligans besser kontrollieren, denn bis jetzt gilt noch: "Jeder Randale-Bruder, der mit der Klubkarte seiner Oma ins Stadion will, kommt rein."
Zum Kartenverkauf für die EM sagt die zentrale Informationsstelle für Fußballvandalismus: "Die Karten für die EM werden namentlich verkauft, und jeder muß sich ausweisen können; andernfalls drohen Stadionverbot und eine
Geldbuße von 1000 Gulden (900 Mark)." Die Rotterdamer Polizei registriert Hooligans in Datenbanken. Rinus Verweij von der Rotterdamer Polizei: "Videobilder der Meisterschaftsrandale vom 25. April haben gezeigt, dass Infos über Fußballvandalen von äußerst großer Wichtigkeit für erfolgreiche Recherche."
Fußball-Hooligans mit Stadionverbot müssen sich während der Spiele ihres Klubs auf der Polizeistation melden.
Es wächst zurzeit eine neue Generation von Hooligans heran, vor der sogar der harte Kern warnt, die 12- bis 20-Jährigen. "Sie kennen mich nicht einmal; ich bleibe sogar an der Seite stehen, um nicht auch noch Steine
abzubekommen", sagt ein erfahrener Straßenkämpfer in Sachen Fußball-Randale.
Diese Gruppe interessiert sich noch weniger für Fußball, ist auch nicht an Karten fürs Stadion interessiert, sondern sucht die Auseinandersetzung vor und nach den Spielen mit der Polizei.
Ein Gericht entschied jüngst, dass Lkw-Produzent SCANIA in Zwolle (am Ijsselmeer) einen Hooligan entlassen darf wegen dessen Vergehen rund um Spiel Zwolle - Groningen (Schlägerei). Der Richter sagte: "Diese Entlassung
hat sich der Mann selbst zuzuschreiben." Ironie der Geschichte: Der entlassene Hooligan hatte die Karte vom Arbeitgeber bekommen; SCANIA ist Sponsor vom FC Zwolle und verteilt regelmäßig Eintrittskarten unter der
Belegschaft.
"Oranje-Fans sorgen nie für Randale-Probleme", sagt Will van Rhee vom Niederländischen Fußballbund KNVB. Bei der WM Frankreich waren die in den NL berüchtigten Gruppen von Feyenoord, Ajax, Twente, Den Haag und Groningen nicht präsent. Harry Been, verantwortlicher Organisationschef von Euro 2000: "Man kann noch
so viele Polizisten aufstellen, gänzlich auszuschließen ist die Gewalt nicht." "Ein großer Teil der Karten während der WM ist in falsche Hände geraten. Das werden wir ausschließen, indem wir 16 Prozent der Karten an die beteiligten
Länder abgeben. Bei einem Topspiel sollen Fans der Mannschaften dabei sein."

15-Juni-2000

 
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