Tète-à-tète
zwischen Ajax-Manager und Feyenoord-Managerin ohne Happy-End
Warum Rotterdams Vorsitzender Jorien van den Herik seine Managerin
vor die Tür setzte
Von Egon Boesten
Rotterdam. Das rüttelte selbst die toleranten Niederlanden
auf. Am 1. November 1995 stellte der für mancherlei Überraschungen
immer bereite Jorien van den Herik, Vorsitzender von Feyenoord Rotterdam,
Nicole Edelenbos als erste Managerin eines niederländischen
Profi-Klubs ein. Miss Feyenoord machte schon bald Furore: zuerst
mit Sätzen wie "Jeder Feyenoord-Fan muß mit der
gesamten Familie ins Stadion kommen können", dann auf
eine andere Art.
Im Sommer dieses Jahres wurde ihr Verhältnis zu Maarten Oldenhof
bekannt - ausgerechnet zu dem Mann, der Manager beim Erzrivalen
Ajax Amsterdam war. Die Liaison und das Zusammenleben der beiden
hatte Folgen. Zuerst bekam die junge Manager-Familie Nachwuchs,
dann bekam die First Lady von Feyenoord von
ihrem Vorsitzenden den Blauen Brief. Der Grund für die Maßnahme
des Rotterdamer Chefs: Die Chance, dass Betriebsgeheimnisse zwischen
den beiden großen Klubs der Niederlande unter der Bettdecke
ausgewechselt würden, sei zu groß.
Nachdem Versuche, sich im gegenseitigen Einvernehmen zu trennen,
gescheitert waren, trafen Verein und Manager sich vor Gericht wieder,
das der Managerin, einer 36-jährigen Juristin, schließlich
einen Betrag in Höhe von 200.000 Gulden (180.000 DM) als Abfindung
zusprach.
Nicole Edelenbos und Maarten Oldenhof hatten sich kennen- und liebengelernt
bei der Gründung der kommerziellen Gesellschaft der Ehrendivision,
wo die juristischen und finanziellen Interessen der niederländischen
Profi-Vereine der ersten und zweiten Liga, losgelöst vom holländischen
Fußballverband
KNVB, vertreten sind.
Ursprünglich sollte die Trennung von Edelenbos stillschweigend
von sich gehen. Doch nachdem die Managerin eine zu hohe Abfindung
einforderte (die Rede ist von fast einer halben Million Mark), suchte
Jorien van den Herik
über das vereinseigene Feyenoord-Magazin Feyenoord-krant -
nach eigenem Bekunden: wider Willen - die Öffentlichkeit.
Zwar wurde die Entlassung in der niederländischen Öffentlichkeit
mit viel Verständnis zur Kenntnis genommen. Mit genau so viel
Häme wurde allerdings auch bemerkt, dass zu keinem Zeitpunkt
die Entlassung des männlichen Kollegen, Maarten Oldenhof von
Ajax, zur Debatte stand. Fußball ist eben auch in den toleranten
Niederlanden zuerst einmal Männersache.
15-August-1998
Feyenoord-Supporters: Zwischen Randale und Vereinsliebe
Der traurige Höhepunkt der holländischen Hooligans: 23.
März: Die Schlacht von Beverwijk oder: "Fußballfans
sind keine Geschäftsreisenden"
Rotterdam. Die Erinnerung an den 23. März 1997 ist noch lebendig.
Die Uralt-Rivalität zwischen verfeindeten Anhängern des
niederländischen Rekordmeisters Ajax Amsterdam und Feyenoord
Rotterdam eskalierte in
Straßenschlachten und dem ersten Todesopfer in den Niederlanden
im Zusammenhang mit Fußball. Das Foto des vermeintlichen Täters,
gebeugt über den leblosen Körper des 35-jährigen
Amsterdamer Hotelbesitzers Carlo
Picornie, ging um die Fußballwelt. Wer den in der Amsterdamer
Hooligan-Szene bekannten Familienvater in Beverwijk (zwischen Haarlem
und Amsterdam) umgebracht hatte, das konnten bisher alle angestellten
Ermittlungen nicht herausfinden.
Die Rotterdamer Fußball-Fans und ihr gewalttätiger Kern
sind weit über die Landesgrenzen berühmt-berüchtigt.
In Bremen hat man bei Werder nicht nur wegen des schmachvollen Ausscheidens
im Europacup 1994 schlechte
Erinnerungen an die Traditionsmannschaft aus der Stadt mit dem größten
Hafen der Welt. Ein Jahr später bestimmte Feyenoord abermals
die Schlagzeilen nach einem Europacup-Spiel. Auf dem Rückflug
von Everton demolierten die mitgereisten Anhänger das Inventar
einer Martinair-Maschine - in der Luft, während des Fluges.
Stewardessen wurden begrabscht, Stühle von ihrer Polsterung
befreit, das Cockpit gestürmt, ein kleines Feuer angezündet.
Damals wurde Feyenoords Senior-Manager Fred Blankemeijer zitiert
mit der Aussage: "Fußballfans sind eben keine Geschäftsreisenden,
verhalten sich etwas rauher und wilder. Vielleicht waren die Stewardessen
das nicht gewohnt."
Der Rückflug Everton - Rotterdam gerät zwei Jahre später
zu Peanuts. Über Internet verabreden Amsterdamer und Rotterdamer
Hooligans sich zu Straßenschlachten auf den Autobahnen rundum
Amsterdam. Kurz vor dem Mord von Beverwijk kam es zu ersten Vorfällen,
als Ajax-Hooligans Feyenoord-Supporters auflauerten. Dabei war das
damals noch nicht einmal anlässlich eines sogenannten Risiko-Spiels,
bei dem für die Polizei der beteiligten Städte Alarmstufe
1 gilt. Ajax-Fans hatten den Gegner auf der Fahrt zu einem Auswärtsspiel
von Feyenoord gestellt. Ein Rotterdam-Hooligan wird in der Amsterdamer
Tageszeitung Het Parool zitiert: "Wir haben zweimal
so viel Hass, mit dem wir uns den ganzen Tag beschäftigen."
- Die gewalttätigen Auseinandersetzungen am Rotterdamer Coolsingel
am Ende einer langen Meisterschaftsfeier sind noch in bester (schlechtester)
Erinnerung.
Was den Fußballliebhaber und Fan erschaudern lässt,
bringt die Randale-Jungs so richtig in Schwung. Es ist der letzte
Kick. Ein Feyenoord-Fan: "Was man in den Minuten vor Beginn
der Schlacht fühlt, ist schöner als die beste
Nummer mit einer Frau."
Nach dem Mord, für den nacheinander verschiedene Fans aus
Rotterdam verantwortlich gemacht wurden, hat sich aber auch bei
den Rotterdamer Hooligans Nachdenklichkeit breitgemacht. "Dies
darf nicht mehr passieren",
heißt es bei vielen Rädelsführern in der Szene.
Die Vereine haben sich dem Problem gestellt, obwohl viele wissen,
dass es kein Fußball-, sondern ein gesellschaftliches Problem
ist. Ajax-Vorsitzender Michael van Praag: "Es sind Dinge, die
im Zusammenhang mit Fußball passieren." Zusammen mit
seinem exzentrischen Kollegen von Feyenoord Rotterdam, Jorien van
den Herik, sitzt man regelmäßig zusammen, um der Gewalt
Herr zu werden.
Die ersten beiden Spiele zwischen Ajax und Feyenoord nach den Ereignissen
im März 1997 liefen jeweils vor leerem Gäste-Fan-Block
ab. Auf Verbandsebene will man mit der ClubCard (Eintrittskarten
nur für registrierte
Fußball-Fans) die Randale-Anhänger aus den Stadien halten.