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Streifzug durch zwölf Provinzen - Friesland, 6. Teil
 

Harlingen
Harlingen hat schon im 12. bis 14. Jh. viel handele mit England, Dänemark, Hamburg und den Ostseeländern getrieben, gehörte allerdings nie der Hanse an. Seit 1234 hat Harlingen, nach Bau des Abschlußdeiches einziger
friesischer Nordsee-Hafen, Stadtrechte. 1500 wurde der erste Hafen angelegt, schon 1578 der Noorderhaven, den man über den Havenplein mit dem 1928 durch Boeyinga errichten Denkmal für den friesischen Seehelden Tsjerk Hiddes des Vries (1622-1666) erreicht. Die Wohnhäuser nördlich und südlich des Noorderhavens dokumentieren den Reichtum Harlingens im 16. Jh. und 17. Jh. eindrucksvoll. Etwa 500 Gebäude zählt die Liste der denkmalgeschützten Gebäude in Harlingen. Der Giebelstein im Noorderhaven zuidzijde, Nr. 106, mit den Göttinnen Venus, Ceres, Bacchus und Aeolus versinnbildlicht Schönheit, Fruchtbarkeit, Überfluß und Meer. Es handelt sich bei dem Gebäude um ein Lagerhaus aus dem 17. Jh. Die Gebrüder Posthumus entwarfen sowohl die
Doopsgezinde Kerk (1857) am Zoutslot im neo-klassizistischen Stil wie auch die Luther-Kirche in der Simon Stijlstraat (1879). Von Alfred Tepe ist katholische St.-Michaelskerk am Zuiderhaven. Der Nadelspitzenturm ist ein
markantes Bauwerk in der Stadtsilhouette. der älteste Turm ist der Doma van Almenum (12. Jh.). Die Reformierte Kirche stammt aus den Jahren 1771-1776. In Harlingen begann Ferdinand Domela Nieuwenhuis seine Laufbahn als Prediger 1870/71. Das Hannemahuis, Voorstraat 56, ist städtisches Museum für Stadtgeschichte und umfaßt auch das Oeuvre von Simon Vestdijk, des aus Harlingen abstammenden Schriftstellers (1898-1971). Das Denkmal "De Stenen Man" auf dem Deich südlich von Harlingen zeigt den Spanier Caspar di Robles. Der Statthalter der Spanier im niederländischen Nordosten zwang die Friesen nach der Allerheiligenflut 1570 die Deiche auszubessern. Zwar waren die Einheimischen mit den Befehlen des Schwarzen Kolonel, wie er auch genannt
wurde, nicht einverstanden, sahen aber nachher ein, wie wichtig diese Arbeiten waren. Das erste Denkmal, ein Stein mit zwei Köpfen, stammt schon aus dem Jahr 1576; es wurde 1774, 1899 und 1969 erneuert. Im "It Heitelan",
für die Friesen so etwas wie eine zweite Nationalhymne, heißt es auch: "...wo der Steinerne Mann seine Augen über Feld und Strand lässt schweifen".

 

Franeker
Auf dem Weg von Harlingen nach Franeker passiert man den Oude Dijk, ein 42 Kilometer langer Polderdeich, der im Mittelalter gegen das versandete Middelmeer Schutz bot. Franeker gehörte schon im Mittelalter zu den
bedeutendsten Orten Frieslands. Die Grafen von Holland ließen sich als Herren von Friesland in Franeker nieder. Albrecht von Sachsen wurde in Franeker inthronisiert. Und in seiner Residenz, dem Sjaardemaslot
(inzwischen abgebrochen), wohnte 1629 der französische Philosoph Ren‚ Descartes.

Die Martinikerk am Bredeplaats ist ein Monument dieser Zeit, das im 10. Jh. gebaut wurde und 1421 vergrößert wurde. Die Sakristei ist im Nordteil der Kirche, wurde bei der letzten Restauration 1941-1943 erneuert. Der Nadelspitzenturm brannte nach Blitzschlag 1714 ab. Im Innern der Kirche steht eine Kanzel aus dem frühen 17. Jh. im Mittelpunkt; auf den Säulen Abbildungen vieler Heiliger (15. Jh.). Die Särge im Kircheninnern sind fast so etwas wie eine Ausstellung der Meister-Steinmetze aus Franeker aus dem 16. Jh. Arbeiten von Benedictus Gerbrandts, Vincent Lucas und Cales Jelles sind vertreten. Im Süden der Kirche ist das Dekemahuis mit mittelalterlichem
Ursprung (hohes Satteldach zwischen Dachgiebeln). Ebenfalls am Bredeplaats das Klein-Botnia-huis, eine spätmittelalterliche Wohnung, die als Diakonie-Waisenhaus diente und heute Gemeindezentrum der
Niederländisch-reformierten Kirche ist. Das katholische Verenigingsgebouw ist 1909 von Nicolaas J. Adema im Art-nouveau-Stil gebaut. Guus Heiligers' Standbild auf dem Bredeplaats - zwei Kaatser in charakteristischer Haltung -
erinnert daran, dass Franeker seit 1853 am letzten Mittwoch des Juli den PC-Cup im Stadion Het Sjukelan aus trägt.

Während des niederländisch-spanischen Krieges spielte Franeker eine bedeutende Rolle und wurde 1585 Akademiestadt, als eine Hochschule eröffnet wurde, die 20 Jahre lang Theologen der Reformation ausbildete. Reste sind davon noch im früheren Akademiegebäude im Südwesten der Stadt zu sehen, aber auch noch an vielen früheren Professorenwohnungen an der Voorstraat. Das Museum 't Coopmanshus, Voorstraat 49-51, zeigt eine Ausstellung über Franeker als Universitätsstadt. Hier ist auch das Kaatsmuseum, das alles über den friesischen Nationalsport Kaatsen zeigt. Im Camminga-Huis ist das friesische Münzen-Meum (Fries Munt- en Penningkabinet untergebracht, Voorstraat 2a). Die frühere Herberge, in der in der im Erdgeschoss jetzt eine Bankfiliale ist, ist allerdings nicht mehr als mittelalterliches Haus zu erkennen. Das Eise-Eisinga-Planetarium ist eine vor mehr als 200 Jahren in einer Wohnung gebaute Sternwarte (Eise Eisingastraat 3). Das Martenahuis oder Martenastins, Voorstraat35, ist ein mittelalterliches Herrenhaus aus dem Jahr 1498.

In Franeker gab und gibt es zwei Rathäuser: das Martenahuis als Verwaltungszentrum der Gemeinde Franekradeel. Hessel van Martena ließ 1498 das Martena-Herrenhaus bauen, das seit 1895 Verwaltungszentrum für
Franekeradeel ist. Rechts vom Eingang ist ein Saal eingerichtet mit Wandmalereien (18. Jh.). Der ursprüngliche Eingang ist auf der Rückseite am Turm. Das Rathaus ist das erste seiner Art nach dem niederländisch-spanischen Krieg (Ende 16. Jh.). Das Gebäude auf einem L-förmigen Grundriss ist im Stil der nordniederländischen Renaissance errichtet. Bildhauereien aus Naturstein schmücken die Giebel. Das Rathaus ist eine Teamarbeit von Bürgermeister Pieter Augustinusz Ens, Steinlieferant Epe Jacobs Juckema und den Steinmetzen Claes Jelles, Gerrit sowie Dirck Lieuwes.


Dokkum
Neben Stavoren ist Dokkum die älteste Stadt Frieslands. 754 wurde hier der Bischof und Missionar Bonifatius ermordet. Die offene Verbindung von Dokkum zur Lauwerszee und damit zur Nordsee machte die Stadt am Diep zu einer wichtigen Handelmetropole des friesischen Nordens. Wallanlagen kamen bereits im 15. Jh., mussten auf burgundisches Betreiben hin wieder abgerissen werden. Die Eroberung durch die Wassergeusen 1572 bestrafte der Spanier Caspar di Robles mit seinen Truppen blutig. 1597 ließ sich hier die Friesische Admiralität nieder. Dokkumer war auch eine strategisch wichtige Position. Das Versanden des Seearms ließ das Militär jedoch nach Harlingen umziehen (1645). Die offene Verbindung mit dem Meer wurde 1729 durch die Dokkumer Nieue Zijlen im Nordosten abgeschlossen, damals eine der größten europäischen Schleusenkomplexe. Ein Hotel-Restaurant bestimmt heute dort das Bild. Nach den Schleusenbau wurde Dokkum eine beschauliche Stadt und ist es
auch heute noch geblieben.

Die Festungsanlagen (1) sind in Dokkum - im Gegensatz zu vielen anderen Städten in Friesland - noch sehr gut erhalten. Ein Rad- und Fußweg führt heute vom Noorderbolwerk über Oosterbolwerk, Zuiderbolwerk, Baantjebolwerk und Westerbolwerk einmal um die Innenstadt herum (zu Fuß: 30 Minuten).

Das Haus aan de Keereweer (14) ist eine Doppelwohnung aus dem Jahr 1626. Das Denkmal auf der Noorderbastion von Nel Bakema aus Haarlem erinnert an die Widerstandskämpfer zur Zeit der deutschen Besatzung. Vom Ungarn Peter Gelenscer stammt das Widerstandsdenkmal am Woudweg am südwestlichen
Ortseingang von Dokkum in der Nähe des 1991 neu eröffneten tropischen Schwimmbades.

über die Drehbrücke (19. Jh., als Dokkum noch Binnenhafen-Funktionen erfüllte) erreicht man den kleinen Friedhof aus dem 19. Jh. Schon 1823 errichtete die Vereinigte Christliche Gemeinde hier einen Gedenkstein für
den Prediger und Dichter Dirck Rafaels Camphuyzen, der 1586 in Gorinchem geboren wurde, 1624 nach Dokkum flüchtete, amtenthoben wurde und 1627 in Dokkum starb. Seine Psalmreime erschienen 1630 posthum.

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