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Streifzug durch zwölf Provinzen - Friesland, 5. Teil
 

Staveren (auch: Stavoren)
Zusammen mit Dokkum ist Stavoren die älteste Stadt Frieslands. Eine Niederlassung muss es schon im 9. Jh. an der Mündung des IJssel-Seitenarms Nagele in den Vliestroom gegeben haben; historische Quellen geben auch die
Jahreszahl 313 vor unserer Zeitrechnung an, in der Stavoren Handelszentrum für das südwestliche Friesland gewesen ist (Zuidwesthoek). Im 10. Jh. gab es einen Überfall der Normannen; im 12. Jh. erhielt Stavoren von Hendrik V. das Zollprivileg, 1292 von Graf Floris V. die Stadtrechte und gehörte seit dem 15. Jh. zur Hanse. Der Reichtum Stavorens im Mittelalter findet auch in der Legende des Vrouwtje van Stavoren seinen Ausdruck. Die kleine Bronze-Statue, von Piet Arjen gefertigt, am Hafen erinnert daran, dass Hochmut vor dem Fall kommt. Im 17. Jh. versandete der Hafen, die Bedeutung Stavorens wurde geringer. Das alles soll daran gelegen haben, dass eine reiche Handels- und Reederfrau eine Schiffslandung Getreide ins Meer hat löschen lassen. Im Sommer ist Stavoren Wassersportdomäne. Im alten Kern erinnern keine Gebäude mehr an die reiche Vergangenheit. An der Voorstraat standen früher die Häuser der reichen Reeder, heute ist es eine Gracht mit Bäumen und Häusern
aus dem 19. Jh. Herausragend das Rathaus ( etwa 1880) im wahrsten Sinne des Wortes, dessen Ratssaal Wandmalereien von E. V. Hoek (1776) besitzt). Die Schleuse an der Nordseite der Stadt stammt aus dem Jahr 1576 und wurde 1894 erweitert. Zwar schüttete man die Schleuse 1967 zu, da im Süden ein größerer Komplex entstanden war, erinnerte sich jedoch zehn Jahre später an das wasserbauliche Denkmal. Neben dem Schleusenkomplex ist das Hooglandgemaal, das größte Schöpfwerk Europas, dessen Aussehen von Architekt Piet de Bries geformt wurde. Im Süden von Stavoren von ist das Rode Kliff, ein Denkmal im Dorf Warns, das an die Schlacht von Warns 1345 erinnert. Der holländische Graf Willem IV fiel in der Schlacht, als er versuchte, Friesland zu
unterwerfen.

 

Hindeloopen
Das Dorf Hindeloopen bestand schon im 8. Jh.; ein älteres Ehepaar schenkte dem Kloster Fulda 30 Weiden, belegen schriftliche Quellen. In den darauffolgenden Jh. profitierte Hindeloopen von Stavorens Handelsposition,
stand selbst der Hanse sehr nahe. Im 18. Jh. fuhren die Schiffer über die Zuiderzee in Richtung Nordost-Europa und macht für Proviant in Hindeloopen fest. Die eigenständige Hindelooper Möbelverzierung wurde in dieser Zeit
weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Im Herrenhaus Nieuwe Weide 1, ist das frühere Rathaus, ein Gebäude im Ludwig-XVI-Stil aus dem späten 17. Jh. Es wurde auch an der Wasserseite erweitert und ausgebaut. Das Hidde Nijland Museum am Dijkweg zeigt Hindelooper Folklore, vor allen Dingen viele Zimmer des 18. Jh. mit der berühmten Hindelooper Malerei. Das Friese Schaatsmuseum, Kleine Weide 1-3, steht ganz im Zeichen des
Schlittschuhlaufens in Friesland und der Geschichte des Elfsteden-Schlittschuh-Marathons - ein Muss für alle Liebhaber des schnellen Sports auf schmalen Kufen. Der Vorläufer der Reformierten Kirche, die
Mönchskirche St. Gertrud, wurde im Mittelalter verwüstet. 1593 baute man eine neue Kirche, die jedoch 1632 einer größeren weichen musste. Im 17. Jh. wurde das Gotteshaus noch einmal erweitert. Während der Restaurierung
1970-1975 musste der sich nach Osten neigende Turm stabilisiert werden. Der Giebelstein des Schleusenhäuschens aus dem Jahr 1619 zeigt das Stadtwappen. Der Dachturm ist erst im 19. Jh. dazugekommen. An der Hafenseite steht das sogenannte leugenbankje, die Lügenbank (1785), Treffpunkt der Einheimischen
zum Klönschnack und zum Erzählen nicht immer ganz wahrer Geschichten.

 

Workum
Die Schiffer und Händler aus der langgestreckten friesischen Stadt Workum waren schon im Mittelalter in England bekannt, im 15. Jh. fuhren sie auch Richtung Osten. Die Stadt (Stadtrechte im 14. Jh.) entstand an den Gewässern
Vliet und Wymerts, kam ebenso wie Ijlst ohne Verteidigungswall aus. Der Bau der großen St. Gertuidiskerk im Zentrum wurde 1480 begonnen. Sowohl Schiffsbauch wie auch der mächtige Turm, die beide das Stadtbild Workums bestimmen, wurden nie vollendet. Zwar konnte man schon 1560 ein Dach über
fast zwei Drittel der Kirche bauen, doch kam der Anschluss mit dem Turm (1523-1545) nie zustande. Die St. Gertruidiskerk ist die einzige Hallenkirche der Provinz. Vom Inventar verdient die Kanzel von Gerbrandus
van der Haven (1718) Beachtung. Die Sammlung der Totenbahren der Workumer Gilden ist aus dem 18. und 19. Jh. Im Gebäude der früheren Waage, 1650 von Zimmermann Jentje Jouckes und Maurer Tjepke Piebes errichtet, ist das VVV-Büro. Es handelt sich um einen reichlich verzierten Backsteinbau, der das Workumer Heimatmuseum "Warkums Erfskip, beherbergt. Gegenüber auf der anderen Seite des Noard, der Workumer Hauptstraße, ist das
Jopie-Huisman-Museum, Noard 5. Das spätmittelalterliche Gebäude hat einen Treppengiebel mit Säulenornamenten aus dem Jahr 1633. An der Straße in Richtung Norden viele Wohnhäuser aus dem 18. Jh., ebenso auch vom Zentrum in Richtung Süden. Architekt Alfred Tepe entwarf die St. Werenfriduskerk im
Norden des Zentrums in den Jahren 1876/77, eine Pseudo-Basilika mit einer Sammlung religiöser Kunst aus dem 19. und 20. Jh. von Pastor Janning, der 1980 gestorben ist.
In Tjerkwerd, einem Dorf zwischen Workum und Bolsward, ist in der frühgotischen Kirche das Grab von Watze van Cammingha (gest. 1668) und Rixt van Donia ((1681). Van Cammingha war von 1640 bis zu seinem Tod Herr auf
Ameland.


Bolsward
Bolsward ist bereits einige Jahrhunderte nach dem Beginn unserer Zeitrechnung entstanden. Die Stadtrechte stammen aus dem Jahr 1455 - obwohl man glaubt, es hätte auch schon früher vergleichbare Rechte gegeben. Mit der Hanse unterhielt man rege Geschäftsbeziehungen - wie übrigens viele friesische Städte. Vor allem mit Hamburg florierte der Handel (Butter, Getreide, Salz). Obwohl Herzog Alba den Verteidigungswall im 16. Jh.
abreißen ließ, wurde er nach dem Aufstand gegen die Spanier wieder aufgeworfen. Am Nordostrand von Bolsward ist das Hoog Bolwerk noch erhalten geblieben. Das Rathaus, Jongemastraat 2, versinnbildlicht den Wohlstand zu
Beginn des 17. Jh. Einheimische Baumeister und Künstler schufen das Bauwerk 1614-1617 mit prunk- und prachtvollen Giebeln. Trotzdem ist es letztlich ein nordwesteuropäisches Gebäude geworden, das 1768 im Rokoko-Stil erneuert wurde. Ein monumentaler Ratssaal und die Portalhalle mit Balkon und Doppeltreppe sind besonders sehenswert. Das Heimatmuseum ist in der ersten Etage.
Die Martinikirche ist eine der ältesten Kirchenbauten der Provinz; 1446 begann man mit der gotischen Pseudo-Basilika. 20 Jahre später war die Kirche mit dem größten und höchsten Satteldachturm Frieslands fertig.
Gewölbemalereien, Chorbänke aus dem 15. und 16. Jh., die mit vielen Schnitzereien verzierte Kanzel (1662) sowie die Hinsch-Orgel von 1781 machen das Interieur zu einem der prachtvollsten des Landes. Die Broerekerk am Broereplein stammt aus dem 14. Jh., brannte 1980 ab und steht seitdem als Ruine da. Die Doopsgezinde Kerk am Skilwyk (19. Jh.) ist eine einfache Saalkirche mit neoklassizistischer Front. Das Waisenhaus, Kerkstraat, (1877) ist ein Beispiel für den im 19. Jh. vorherrschenden Eklektizismus. Die Stiftung ist bereits bedeutend älter, denn schon im Mittealter gab es in Bolsward drei Hospitäler, die das Sint Anthony-gasthuis (1778-1781) am Nieuwmarkt als
Gemeinschaftsprojekt bauen ließen (u. a. Jan Noteboom aus Leeuwarden). Das Herrenhaus Heremastate, gegenüber der Broerekerk um 1500 erbaut, ist das älteste Haus Bolswards.
Durch Bolsward führt auch eine Tour: "Auf den Spuren der Vorväter - die Aldfaers-Erf-Route", die in Bolsward, Exmorra, Allingawier, Makkum, Piaam, Gaast und Ferwoude Szenen aus dem Alltagsleben um die Jahrhundertwende zeigt. Makkum ist schon allein wegen der Königlichen Porzellanfabriken eine Reise wert. Mehr als 300 Jahre alt ist die Tradition des Makkumer Tichelaars, des Kachel- und Porzellanmalers. Da Form, Stil und Arbeitsweise im 16. Jh. aus Mallorca übernommen wurde, heißt die Makkumer Tonkunst deshalb auch Majolika.

 

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