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Streifzug durch zwölf Provinzen - Friesland, 2. Teil
 
Als am 21. Februar 1985 der Schlittschuhmarathon Elfstedentocht zum erstenmal nach 22 Jahren wieder die elf friesischen Städte zum Ziel hatte, freuten sich in Friesland die Heimatkunde-Lehrer, denn ihre Schüler konnten
wieder viel besser die Namen der traditionsreichen Städte im Norden der Niederlande aufzählen. Die 200 Kilometer lange Tour auf den langen Eisschnelllaufschuhen hat inzwischen viel Pendants zu Wasser (Surfen, Segeln
und Paddeln) und zu Land (per Fahrrad, Auto oder zu Fuß) gefunden. Hier finden Sie eine Beschreibung der elf Stationen:

Leeuwarden (85 693 Einw.)
Leeuwarden ist traditionell - den Schlittschuhmarathon gibt es seit 1909 - Start und Ziel der Tour durch die elf friesischen Städte. Seit 1498 ist Leeuwarden die erste der elf friesischen Städte. Albrecht von Sachsen wählte
Leeuwarden anstelle von Franeker zum Zentrum der Region aus. Er ließ Blockhäuser für seine Garnisonen bauen, die die Burgunder im 16. Jh. übernahmen. Die Friesen, keine Herren gewohnt, rissen die Häuser nach dem
Aufstand gegen die Spanier 1570 nieder. Leeuwarden war nicht nur Hoofdstad (Hauptstadt), sondern auch Hoofstad, als sich die Grafen von Nassau-Dietz als Statthalter hier niederließen - bis 1765, als Marie-Louise, die Witwe des Statthalters Johan Willem Friso als letzte Repräsentantin der Nassauer in Leeuwarden starb. Das VVV-Büro ist am Bahnhof im südlichen Teil der Stadt; von der Frieslandhal im Westen startet der Elfstedentocht auf
Schlittschuhen. Von Auke Hettema ist das Bildnis des "Elfstedenrijders". Jeden Freitag ist in der Frieslandhal Viehmarkt.

Oldenhove
Der Stadtrundgang beginnt auf dem Parkplatz vor dem schiefen Turm von Leeuwarden, Oldenhove. Der 40 Meter hohe Turm wurde 1529-1533 gebaut, aber nie vollendet, weil er auf dem sandigen Untergrund wegsackte. Der Name stammt von einer mittelalterlichen Ansiedlung. Als gegen Ende des Mittelalters die St.-Vitus-Kirche den Ansprüchen der Leeuwarder nicht mehr genügte, sollte eine größere Kirche entstehen. Die Fundamente von Jacob van Aken liegen noch, doch als der Baumeister beim Turmbau auf einer Höhe von zehn Metern angekommen war, sackte der Oldenhove ab. Man sagt Van Aken sei deswegen so betrübt gewesen, dass er aus Gram darüber 1532 starb. Mit dem Standbild des Dichters und Sozialrevolutionärs Pieter Jelles Troelstra, dem Mitbegründer der sozialdemokratischen Partei der Niederlande, ist der Oldenhove fast so etwas wie ein Wahrzeichen der Stadt geworden. Wenn der Baumeister das gewusst hätte...

Prinsentuin
Gegenüber vom Oldenhove und dem Groeneweg liegt der Prinsentuin, 1648 auf Initiative von Prinz Willem Hendrik gebaut. Der frühere Lustgarten der friesischen Statthalter ist mehrere Male umgebaut worden, zum erstenmal
schon vier Jahre später, als der Prinz Albertina Agnes heiratete. Das Pier Pander Museum (20) im östlichen Teil des Gartens zeigt Bildhauerarbeiten von Pier Pander (1864-1919), dessen Arbeiten an antiken und klassizistischen
Vorbildern orientiert ist und der 1886 nach der Verleihung des Prix de Rome in der italienischen Hauptstadt bis zu seinem Tode lebte. Um die Jahrhundertwende herum fertigte er die Wilhelmina-Silbermünze. Glas- und
Tonarbeiten im Jugendstil von Panders Zeitgenossen sind ebenfalls Bestandteil der Ausstellung. Der Pier-Pandertempel (20) im Westteil entstand 1924 nach Entwürfen des verstorbenen Bildhauers durch Ernesto Gazzeri. Im Garten auch ein Standbild, das an die friesischen Widerstandskämpfer erinnert von Auke Hettema. Vom Tempel aus kann man auf der anderen Seite der Gracht das Standbild "Us Mem" (Unsere Mutter) sehen, die ideale friesische Stammbuch-Kuh am Harlingersingel plein.

Princessehof
Das Gebäudekomplex an der Grote Kerkstraat 11 ist Domizil einer der größten Keramik-Sammlungen der Niederlande, deren ostasiatische Porzellan-Kollektion internationalen Ruhm genießt. Das Patrizierhaus mit Säulengiebel aus dem 17. Jh. wurde 1970 umfangreich restauriert. Der eigentliche Palast war bereits
im 18. Jh. umgebaut worden; 1731 bezog es Maria Louise von Hessen-Kassel. Das Haus ist vermutlich aus dem 15. Jh.

Das Boshuisen-Gasthuis (15), Jacobijnerkerkhof, neben dem Nieuwe stadsweeshuis (1675), ist das einzige hofje aus dem 17. Jh. Anna van Eysinga gründete es 1652, nachdem ihr Mann Philip van Boshuisen im selben Jahr gestorben war. Hier wohnen auch heute noch alte Menschen. Die aus dem 17. Jh. stammenden Armenwohnungen am Groeneweg Luilekkerland (Schlaraffenland) sind nach der Renovierung zu einer der malerischsten Wohnungskomplexe von Leeuwarden geworden. Das Fries Natuurmuseum (19), Schoenmakersperk 2, ist
das frühere städtische Waisenhaus und gibt einen Überblick über Bodengeschichte, Flora und Fauna der Provinz. Wie ein naturhistorisches Museum anno 1900 aussah, zeigt der Bruine Zaal.

Jacobijnerkerk (6), Bredeplaats, ist das älteste Gebäude in Leeuwarden, eine Klosterkirche aus dem 13. Jh., die auch Grote Kerk genannt wird. Die nur 23 Meter hohe Kirche war nach der Reformation die wichtigste Kirche. Die Frau des ersten Statthalters Willem Lodewijk, Anna van Oranje, wurde nach ihrem Tod 1588 in der Gruft beerdigt. Alle Familienmitglieder der Statthalter sind hier begraben; Marie Louise von Hessen-Kassel war 1765 die letzte. Vom Grabdenkmal Willem Lodewijks gibt es Gemälde. Themen der Glasmalerei sind Geschichten der Statthalter und des Hauses von Oranien, der königlichen Familie, die von den friesischen Nassauern abstammt. Bei der Restauration der Kirche (1972-1977) orientierte man sich an der ursprünglichen Form der
Kirche. Vom alten Kloster ist noch ein Kellergewölbe übrig und ein Gebäude, in dem heute der Küster wohnt. Das Pfarrgebäude gegenüber der Grote Kerk an der Grotekerkstraat gehört zur Pfarrkirche der Hl. Marie von Nijenhove;
diese Kirche musste 1765 abgerissen werden. Das Haus ist eine mittelalterliche Stadtwohnung (14. Jh.) mit Fenstern aus dem 15. und 18. Jh. und gehört zu den am besten erhaltenen Gebäuden der Provinz-Hauptstadt.

Fries Letterkundig Museum (11), Grote Kerkstraat 28, (Friesisch: Frysk Letterkundich Museum en Dokumintaesjesintrum) zeigt Leben und Werk von Schriftstellern, die in friesischer Sprache publiziert haben (ab 1800). Es ist das frühere Wohnhaus von Mata Hari, der legendären Tänzerin, die 1917 als Spionin für Deutschland zum Tode verurteilt wurde und in Vincennes durch Erschießen starb. Eine Statue von Suze Berkhout am Korfmakerspijp erinnert an Mata Hari.

Stadhouderlijke Hof (2), Hofplein, Ecke Beijerstraat (16. J.), wurde 1587 vom Provinzialausschuss Friesland für den ersten Statthalter, Willem Lodewijk van Nassau-Dietz, gekauft und blieb bis 1747 Hof. König Willem I.
kaufte das Gebäude 1814; ab 1880 war es Amtssitz des Kommissaris der Koningin, ehe Juliana das Gebäude an die Stadt verkaufte. Leeuwarden benutzt vor allem den Nassau-Saal mit vielen Porträt-Gemälden von Angehörigen des Hauses Nassau zu repräsentativen Zwecken. Das Bronze-Standbild des ersten Statthalters Willem Lodewijk vor dem Hof stammt von Bart van Hove (1850-1914), der das Werk 1909 schuf.

Das Rathaus (1), Raadhuisplein, gegenüber des Statthalter-Hofes, wurde 1715 auf den Fundamenten und Kellergewölben eines mittelalterlichen Herrenhauses von Claes Bockes Balck im klassizistischen Stil errichtet. Das Glockenspiel im achtseitigen Turm ist von Claude Fremy (1687). Der Ratssaal auf der Rückseite stammt von einer Erweiterung 1760 durch den städtischen Zimmermann Jan Noteboom; das Rokoko-Interieur schuf Hof-Architekt Pieter de Swart (gestorben vor 1773). Der neo-klassizistische Nieuwe Zaal datiert von 1847 und wurde vom Stadtarchitekten Thomas Romein gebaut.

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