Friesland - die eigenwilligste Provinz der Niederlande
Die eigenwilligste Region der Niederlande ist die Provinz Friesland.
Eine eigene Sprache, die vom überwiegenden Teil der Bevölkerung
auch gesprochen wird, eine eigene Kultur, dazu eigenartige Sportarten
und unbeugsamer Individualismus kennzeichnen Region und Menschen
im Norden der Niederlande.
Topographie und Klima
Ohne die Deiche gäbe es keine Friesen, sagt man, und das nicht
ohne Grund. Denn die gesamte Provinz östlich des IJsselmeers
liegt unterhalb des Meeresspiegels. Der Deichbau begann im zehnten
Jahrhundert, just zu dem
Zeitpunkt, als man den Bau von Schleusen beherrschte, die sich bei
Hochwasser schlossen, bei Ebbe aber wieder öffneten. Damit
war der Terpenbau beendet. Terpen (im benachbarten Groningen: wierden,
in Deutschland Wurt oder Warft genannt) waren Erdhügel, auf
die zum Schutz vor Hochwasser Häuser, Kirchen und Niederlassungen
gebaut wurden. Vor dem Deichbau konnte sich das Meerwasser bei relativ
großem Hochwasser mehr oder weniger ungehindert seinen Weg
bis tief ins Land bahnen. Dabei wird einerseits an
der Küste Land weggenommen, andererseits aber feiner Schlick
mit der Flut angeführt. Da Meeresspiegelveränderungen
kontinuierlich über Jahrzehnte hinweg stattfinden, hatten die
Bewohner die Möglichkeit, sich den Bedingungen anzupassen.
Die Niederlassungen der Menschen wurden im Laufe der
Jahre erhöht. So entstanden die Terpen, die das Landschaftsbild
der Provinz bestimmen, die eine Fläche von 5739,34 Quadratkilometern
hat. Davon sind allerdings nur 60 Prozent (oder 3356,58 km) Landfläche,
der Rest ist Wasser. Der größere Teil davon natürlich
das Gebiet des Wattenmeers und der Nordsee. Mit 636,76 km Binnenwasser
ist Friesland eine der wasserreichsten Regionen des Landes. Das
Klima wird beeinflusst von der Nordsee und vom Wattenmeer. Es ist
an der Küste im Norden generell einige Grade kühler als
im
Binnenland. Es sind auch schneller Klimaänderungen möglich.
Der vorherrschende Nordwestwind macht es möglich.
Geschichte und Bevölkerung
Im Gegensatz zum Großteil der Niederlande kannten die Friesen
keine römische Besatzung. Es gab deutsche und englische Einflüsse.
Der Widerstand gegen die Herrschaft der Franken nach 700 wurde schwieriger.
Nach dem Tod von König Radbout mussten sich die Friesen den
Franken ergeben und wurden zudem gezwungen, das Christentum zu übernehmen.
Der Mord an den Bischof und Bonifatius in Dokkum 754 war Teil dieser
Auseinandersetzung. Zwar hinterließen Bonifatius ihre Spuren
in Friesland, machten sich auch Verdienste um den Aufbau des Landes,
doch im 16. Jh. gehörten die Friesen zu den ersten, die die
Seite der Reformation wählten. Die Schwierigkeiten, das Land
zu regieren und zu beherrschen, zeigten sich schon 802 im "Lex
Frisionum" von Karl dem Großen. Als der Adel in Westeuropa
sich noch vieler feudaler Vorrechte erfreute, gab es in Friesland
schon freie Bauern. Doch die Freude über diese Vorrechte dauerte
nicht lange. 870 kamen die
Friesen unter die Herrschaft deutscher Fürsten, später
zum Bistum Utrecht. Alle waren jedoch weit weg vom entlegenen Friesland.
Die faktische Unabhängigkeit der Friesen blieb auch bestehen,
als das Land 1151 an die
Grafen von Holland kam, bzw. gemeinschaftlich unter die Herrschaft
von Utrecht und Holland (1165). Militärischen Auseinandersetzungen
fielen Graf Willem II von Holland zum Opfer (12. Januar 1256 in
Hoogwoud) und auch fast
ein Jahrhundert später auch Graf Willem IV. von Holland (26.
September 1345).
Die erstrittene Unabhängigkeit und auch selbstgewählte
Isolierung führte zu eigenständigen Entwicklungen bei
der Mitsprache der Menschen. Eine Nation entstand nicht, obwohl
es im Verbond van de Upstalboom (Aurich,
Ostfriesland) eine gewisse Koordinierung, zum Beispiel der elf Städte
gab, die sich auf friesischem Boden gegründet und entwickelt
hatten. Auch zu Zeiten der Herrschaft von Kaiser Karl V. veränderte
sich wenig. 1579
gehörten auch die Friesen zu den Unterzeichnern der Union von
Utrecht. Vier Jahre war Willem I van Oranien Statthalter von Friesland.
Es sollte allerdings noch viele Jahre dauern, ehe sein Nachfolger,
Willem Lodewijk,
(1584-1620) das Land von plündernden Spaniern befreit hatte.
Friesland wurde Teil der niederländischen Republik - unter
der Voraussetzung, dass Franeker eine Universität erhielt (1585)
und der Statthalter eine Friese ist. Der letzte Statthalter der
Republik und von Friesland war Willem V. ((1751-1795). Seit 1814
ist Friesland niederländische Provinz. In diesem Jahrhundert
entwickelte sich auch die friesische Bewegung, die mit den Namen
des Dichters Pieter Jelles Troelstra (1860-1930) und Domela Nieuwenhuis
verbunden ist. Schon im 17. Jh. legte Gysbert Japicx (1603-1666)
die Grundlage für die friesische Sprache, die von mehr als
der Hälfte der 600
013 Menschen in Friesland auch heute noch gesprochen wird. Die Bevölkerungsdichte
in dem Land, "wo man heute sieht, wer morgen zu Besuch kommt"
(sprichwörtliche Redensart) ist mit 179 Einwohnern pro
Quadratkilometer nicht sehr hoch. Die Provinzhauptstadt Leeuwarden
ist mit 85 693 Einwohnern auch die größte der insgesamt
31 Gemeinden von Friesland. Frieslands berühmteste Persönlichkeiten
leben nicht mehr. Pieter Stuyvesant (1600-1672), der Gründer
von Nieuw Amsterdam, wurde in der Nähe von Wolvega geboren.
Margaretha Geertruida Zelle, genannt Mata Hari (1876-1917), erblickte
in der Provinzhauptstadt Leeuwarden das Licht der Welt.
Wirtschaft
Traditionell ist Friesland eine landwirtschaftlich orientierte
Provinz. Doch die Konzentrationsprozesse im agrarischen Bereich
haben hier wie auch in der Nachbarprovinz Groningen zu einer Landflucht
geführt. Fast zehn Prozent der arbeitenden Bevölkerung
ist im Sektor Landwirtschaft tätig - mehr als anderswo in den
Niederlanden. Die meisten der Friesen arbeiten in der Industrie
(25 %), Dienstleistungsbereich (60 %) und im Bausektor (10 %). Die
Arbeitslosenquote liegt mit etwa 17 Prozent deutlich höher
als im Landesdurchschnitt (13 %). Noch in den 80er Jahren kehrten
mehr Menschen der Provinz den Rücken, gab es ein Einwanderungsminus
von jährlich etwa 2000 Menschen. Im Durchschnitt leben in Friesland
mehr ältere Menschen als in den Niederlanden insgesamt. Während
der Sommermonate gibt es allerdings eine umgekehrte Tendenz. Friesland
ist eine der beliebtesten Wassersportregionen des Landes und auch
darüber hinaus. Eine Million Bundesbürger verbringen hier
ihren Urlaub.
Reiseziele
Die Strände am Ijsselmeer sind beliebte Ausflugsorte, ebenso
die friesische Seenplatte mit schier unendlichen Möglichkeiten
für Wassersportler. Die elf Städte Leeuwarden Sneek, Ijlst,
Sloten, Staveren, Hindeloopen, Workum,
Bolsward, Harlingen, Franeker und Dokkum im Norden sind gefragte
Reiseziele - und das nicht nur, wenn der Elfstedentocht über
zugerfrorene Kanäle und Seen stattfindet. Beim Ortsnamen beigefügt
ist die jeweilige
friesische Bezeichnung, da sich diese zumeist auch auf den Ortsschildern
befindet.
Stadtbesichtigung
o Leeuwarden: Die Provinz-Hauptstadt
o Sneek: Zentrum des Wassersports in Friesland
o Harlingen: Frieslands Tor zur Welt
o Dokkum: Wo Bonifatius ermordet wurde