Cees Noteboom "Philip und die anderen"
Etwa160 Seiten - Suhrkamp Verlag
ISBN: 3-518-4135-6
erscheint im März 2003
Neuübersetzung
Philip und die anderen, Nootebooms Erstling, vor gut fünfzig
Jahren geschrieben und als Kultbuch von Generation zu Generation
weitergereicht, ist ein ganz besonderer Roman: "Es ist
erstaunlich", schrieb der Kritiker Rolf Brockschmidt,
"mit welcher Sprachgewandtheit Nooteboom mit 21 Jahren
dieses Buch schrieb, dessen Bilderwelten von Tod und Vergänglichkeit,
von Sehnsucht und Fernweh unweigerlich an die deutsche Romantik
erinnern, ja, dieses Buch ist eigentlich ein sehr deutsches
Buch in diesem romantischen Sinn."
Daß dieses Buch, 1958 bei Diederichs in Köln erschienen,
jetzt neu gelesen und erneut entdeckt werden kann, verdanken
wir Helga van Beuningen, die Cees Nootebooms Arbeiten seit
vielen Jahren ins Deutsche überträgt - und der mit
der Neuübersetzung dieses Romans ein Meisterstück
gelungen ist. Im Vorfeld seines 70. Geburtstages im Juli 2003
ist es ein Geschenk für die vielen Leserinnen und Leser
Nootebooms.
Cees Nooteboom
100 Seiten - Suhrkamp
ISBN 351841366X
[2002]
 
Nooteboom erzählt vom Wetter. Aber er berichtet ebenfalls
Merkwürdigkeiten von einem (literarischen) Stockfisch mit
Brille, geht den Eigenheiten der spanischen Presse nach, gibt
uns Einblick in die Persönlichkeit des Postboten Miguel,
des Stierkampfs oder in die Trauer der spanischen Seele, berichtet
vom Ende des Sommers und von jenem "grenzenlosen Kontinent"
im Südwesten Europas, der sich in 25 Jahren sehr gewandelt
hat. Dabei wird deutlich, dass Nooteboom Spanien nicht nur bereist
hat um alles zu erfahren, sondern um es schreibend zu durchdringen.
"Ich will es wissen", heißt es einmal, "doch
nun offenbart sich ein ... Mysterium der Sprache: Ich will es
in meiner Sprache wissen". Diese Umformung von direkter
Anschauung in poetische Essayistik ist dem Autor rundherum gelungen.
Arthur Daane, ein Niederländer in Berlin, hat seine
Frau und seinen Sohn durch einen tragischen Unglücksfall
verloren. Nun streift er mit der Filmkamera durch die winterliche
Großstadt, auf der Suche nach Bildern für sein
"ewiges Projekt", seinen Film. Dabei lernt er eines
Tages die junge Geschichtsstudentin Elik kennen, eine Frau
mit Geheimnissen, und von nun an verändert sich sein
Leben.
1996 erzählte der niederländische Schriftsteller
Cees Nooteboom in Innsbruck vor Publikum vom Reisen und vom
Schreiben. Einmal habe er begriffen, sagte er, "daß
ich in dieser Bewegung die Ruhe finden konnte, die man zum
Schreiben bracht". Die Rede findet sich in dem wunderschönen
Band Nootebooms Hotel mit literarischen, journalistischen
und poetologischen Texten der letzten Jahrzehnte wieder, der
jetzt bei Suhrkamp erschienen ist -- und Nootebooms Pendeln
zwischen Bewegung und Ruhe, Dramatik und Melancholie in der
Konzeption des Buchs reflektiert: "Noch immer baue ich
an meinem Hotel", heißt es dort, "diesem nicht
existierenden Gebäude, das nur in meinem Kopf existiert,
dem Hotel der nahen und der fernen Welt, der Stadt und der
Stille".
Nootebooms Hotel hat viele Zimmer, in denen der Autor in
Essays und Interviews zahlreiche illustre Vorbilder einquartiert:
Marcel Proust, Mary McCarthy, Umberto Eco, Federico Fellini,
Uwe Johnson oder Bruce Chatwin gehören zu den Gästen
-- ebenso wie Edward Hopper, der auf seinen Bildern ja auch
von der Einsamkeit im Hotelzimmer erzählt. In den anderen
Räumen und Zimmern aus Luft hat Nooteboom mit Reportagen,
Prosaminiaturen und Betrachtungen sich selber bzw. sein Alter
ego breit gemacht. Hier bereitet er sich wohl auf neue, literarische
Reisen vor, auf deren Berichte wir schon sehnsüchtig
warten. --Thomas Köster