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Königshaus - Prinz Bernhard
 

Ein Porträt eines umstrittenen deutschen Prinzen in den Niederlanden

Soestdijk (Gemeinde Baarn). In den Wäldern von Soestdijk nahe Hilversum und Utrecht jagen seit Jahrhunderten die niederländischen Fürsten. Am Freitag, den 29. Juni, ist es aus mit der fürstlichen Abgeschiedenheit. Prinz
Bernhard von Lippe-Biesterfeld, verheiratet mit Prinzessin Juliana, der früheren Königin der Niederlande, wird 90 Jahre alt.

Wer den Prinzen sieht, der seit einigen Tagen von einer Ehrung zur nächsten schreitet, am Mittwoch 2000 niederländische Militärs begrüßte, mag nicht an neun Jahrzehnte denken, die sich hinter dem Vollbart mit eher
jugendlich-dynamischem Gesicht verbergen. Während Ehefrau Juliana (92) sich kaum noch im Garten blicken lässt, strotzt Bernhard trotz 50 (!) Operationen im Laufe seines Lebens vor Lebenslust, reiste vor kurzem gar noch nach
Afrika.

Allerdings: Auch die neunzig Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Der Prinz hat, im wahrsten Sinne des Wortes, ein bewegtes Leben hinter sich: Sturzflüge im Auftrag Ihrer Majestät gegen die deutschen Besatzer, Angestellter der IG Farben, Vorliebe für Uniformen, Nummernkonto in der Schweiz, Bestechungsgelder von Lockheed, Initiator der geheimnisumwitterten, sagenumwobenen Bilderberg-Konferenz, Gründer des Welt-Naturfonds, Aufsichtsrat in niederländischen Großunternehmen, Vater einer unehelichen Tochter.

Der gebürtige Ostpreuße lebte in seiner Jugend auf dem heimatlichen Gut Reckenwalde (polnisch: Woynowo). Nach Privatunterricht im Elternhaus besuchte er ab dem zwölften Lebensjahr ein Internat in Züllichau. Das Abitur
folgte dort im Jahr 1929. Der Jurareferendar trat 1935 in den Dienst der IG Farben und noch im selben Jahr Direktionssekretär der Pariser Niederlassung. 1936 lernte er Juliana, Tochter der niederländischen Königin Wilhelmina kennen. 1937 im Januar heirateten die beiden. Ein Jahr später wurde Beatrix geboren, seit 1980 Königin des westlichen Nachbarn der Bundesrepublik. Während des Krieges hielt sich Bernhard im Londoner Exil des
niederländischen Königshauses auf, während seine Familie im kanadischen Ottawa lebte.

Als Bernhard in die Niederlande kam, machte man sich dort noch Sorgen um das Fortbestehen der Monarchie. An seinem 90. Geburtstag darf sich der niederländische Prinz aus Deutschland über die vierte Generation seiner
Familie freuen: Urenkelin Anna, Tochter von Prinz Moritz und Prinzessin Marilène. Die niederländische Monarchie steht am Beginn des 21. Jahrhunderts so gut wie nie da. Dabei hat gerade das Geburtstagskind vom Freitag, 29.
Juni, in seinen 90 Jahren nicht unwesentlich zur Gefährdung der konstitutionellen Monarchie in den Niederlanden beigetragen.

Bernhard war nie der große Familienvater, eher der Abenteurer und Vagabund. Seine Leidenschaft fürs Fliegen, die er im Übrigen Kronprinz Willem Alexander vererbt zu haben scheint, mag zu dieser Bewertung beigetragen
haben. Als der Hans Dampf in allen Gassen im Jahr 1976 über die Lockheed-Bestechungsaffäre zu stolpern schien, störte es Prinz Bernhard erst in zweiter Linie, dass er viele öffentliche Ämter niederlegen musste. Viel
schlimmer war - das bestätigte gerade auch der frühere Ministerpräsident Dries van Agt: "Bernhard durfte keine Uniform mehr tragen - das hat ihn am meisten gewurmt."

Schon vorher hatte Bernhard in regelmäßigen Abständen für Schlagzeilen gesorgt. Als er seine Frau Juliana mit der Wunderheilerin Greet Hofmanns zusammen brachte, die Prinzessin Marijke von einer Augenkrankheit heilen
sollte, drohte eine Ehescheidung. 1971 brachte er die liberal gesonnen Niederländer zu einem Aufschrei, als er meinte, man solle doch das Parlament für zwei Jahre nach Hause schicken, damit die Regierung nicht die Hälfte
ihrer Arbeitszeit mit der Beantwortung von unsäglichen Fragen aus der Kammer verbringen müsse. Dass er als Prinz hinter seiner Frau, Königin Juliana stand, hat ihn nie berührt. "Im Land regiert meine Frau, zu Hause bin ich
der Boss", hat er einmal gesagt. Daran hat auch eine Affäre nichts geändert, die in den Niederlanden als offenes Geheimnis weitererzählt wird: seine außereheliche Tochter Alexia in Paris. Als ein Fernsehsender in diesen Tagen
dort anrief, gab es am Telefon keinen Kommentar, nur den verweis auf den niederländischen Rijksvoorlichtingsdienst. Und der sagt dazu nichts.

Fast in Vergessenheit geraten war zu diesem Zeitpunkt schon, dass er in den 30-er Jahren an Motorrallyes der SA in Deutschland teilnahm. "Wir hatten viel Spaß und haben niemanden gestört", erklärte er später seinem Biografen Alden Hatch.

1991 - 15 Jahre nach Lockheed - durfte Bernhard wieder öffentlich mit Uniform auftreten. Seitdem ist er jedes Mal am 5. Mai in Wageningen dabei, wenn der deutschen Kapitulation gedacht wird. Bernhard war aber nicht nur
Luftwaffenkommandeur gegen die deutschen Besatzer; nach 1945 war er einer der wichtigsten Handelsbotschafter der Niederlande. Noch bevor in Europa öffentlich über EU und Euro debattiert wurde, initiierte Prinz Bernhard 1954
die Bilderberg-Konferenz, benannt nach einem bekannten Hotel in der Nähe von Arnheim. Seit 47 Jahren gilt die Bilderberg-Konferenz als geheime Meta-Regierung Europas, auf der sich die mächtigsten der Welt zu Konferenzen
treffen, um die Leitlinien der Politik auszulegen. Neben gekrönten Häuptern und Wirtschaftsmagnaten der großen multinationalen Konzerne waren aus Deutschland u. a. dabei: Kohl, Herrhausen, Engholm, Voscherau, Scharping,
Teltschik. Wie bedeutsam das niederländische Königshaus und speziell Prinz Bernhard für das Zustandekommen der Bilderberg-Konferenz ist, zeigt die Geschichte. Nur 1976 fand sie nicht statt - als Bernhard in die
Lockheed-Affäre verwickelt war.

29. Juni 2001

 
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