Goedemorgen - Feyenoord
Rotterdam und Big Piet:
Pierre van Hooijdonk
Rotterdam/Breda. Nein, er ist kein Ruud van Nistelrooy und eigentlich
auch kein richtiger Torjäger. Pierre van Hooijdonk, farbig
Nummer 9 von Feyenoord Rotterdam, wehrt ab: "Ein echter Torjäger
bin ich nicht. Jemand wie Ruud van Nistelrooy ist darin fanatischer."
In den Jugendmannschaften ist der niederländische Torjäger,
mit dem es Borussia Dortmund am Mittwochabend im Rotterdamer De-Kuip-Stadion
zu tun bekommt, immer Mittelfeldspieler gewesen. Van Hooijdonk:
"Mittelfeldspieler sind immer meine Lieblingsspieler gewesen.
Ruud Gullit steht demzufolge beim langen Piet, den sie in Rotterdam
nur "Pi-Air" nennen, ganz obenan.
Als Fußball-Holland Johan Cruyff und Johan Neeskens zu Füßen
lag, begann Pierre im kleinen brabantischen Welberg bei Steenbergen
mit dem Fußball. Seine Regisseur-Qualitäten sah man im
Klub anders. "Nach dem Wachstumsschub wurde eich als Spitze
aufgestellt", erzählt der Mann aus Breda, der nach vielen
europäischen Jahren wieder zu Hause angekommen ist.
Bevor Herbert Neumann bei seinem Klub NAC Breda als Trainer begann,
war der lange Piet, wie seine Freunde in Breda ihn nennen, als Europareisender
in Sachen Fußball unterwegs. Viele Tore bei Celtic Glasgow
und später bei Nottingham Forest führten ihn für
ein Jahr wieder in die Niederlande (Vitesse Arnheim mit Trainer
Herbert Neumann), ehe er ein bescheidenes Jahr bei Benfica Lissabon
(Trainer Jupp Heynckes) verbrachte.
In einer Nebel- und Nachtaktion wurde Van Hooijdonk im Sommer des
vergangenen Jahres zu Feyenoord Rotterdam transferiert. Im Gegensatz
zum kleinen Japaner Shinji Ono, Rotterdams Nummer 14, hatte Pierre
van Hooijdonk viel Mühe, sich die Gunst der Rotterdamer Fans,
der Legion, zu erwerbe. In der traditionell sozialdemokratischen
Stadt Rotterdam, in der Feyenoord vor allem in der Arbeiterschaft
stark verankert ist, hatte eine Sunny-Boy à la Van Hooijdonk
es nicht einfach. In silbergrauem Porsche fährt er täglich
zum Training nach Rotterdam - kein Widerspruch, sagt Pierre van
Hooijdonk: "Ich habe ein besonderes Band mit den Vereinen des
Volkes." NAC Breda sei so einer, Celtic, Benfica und Feyenoord
ebenfalls.
Ein Ärgernis von Pierre van Hooijdonk ist die niederländische
Nationalmannschaft. Weder unter Bondscoach Frank Rijkaard (1998-2000)
noch unter Louis van Gaal brachte er es zum Stammspieler mit mehr
oder weniger
großer Spielgarantie. Und auch nach seinem Rotterdamer Frühling
(der Feyenoord nach der Winterpause zum ersten Titelkandidaten gemacht
hatte) ließ der neue Nationalmannschaftstrainer Pierre van
Hooijdonk links liegen. Beim Freundschaftsspiel gegen England fehlte
er. Das hat sich inzwischen geändert. Am 19. Mai im Freundschaftsspiel
gegen die USA ist er der einzige Rotterdamer in der Oranje-Auswahl.
Eine andere Geschichte wird sich so schnell nicht auflösen:
Als Pierre van Hooijdonk 1969 geboren wurde, war er der einzige
farbige Junge in der Gegend um Steenbergen in Westbrabant. Er wusste
nie, warum er dunkel, sein
Halbbruder jedoch weiß war. Pierre van Hooijdonk freimütig
im Elsevier-Wochenmagazin: "Ich kenne meinen biologischen Vater
nicht und habe auch nie danach gefragt. Ich habe solche fantastischen
Eltern, dass ich sie
nicht einen Tag missmutig sehen möchte." Dass er der klassische
Torjäger ist, hat er trotz seiner 24 Treffer in der
niederländischen Ehrendivision, immer abgestritten. Ein deutscher
Keeper wird ihm nicht glauben wollen: Richard Golz hat mit Freiburg
Freistoßtore passieren lassen müssen, die ihresgleichen
suchen.