Goedemorgen - Bitte
keine deutschen Straßennamen in Heerenveen
Für manche Friesen erinnern dreizehn deutsche Straßennamen
im Neubaugebiet von Heerenveen an Sklavenarbeit für die Deutschen
boe - Heerenveen. Ein anonymer Protest hat jetzt die politische
Öffentlichkeit der friesischen Stadt Heerenveen (bekannt vor
allem wegen der Eisschnelllaufhalle Thialf, erreicht. Die Straßennamenkommission
der
knapp 40.000 Einwohner zählenden Stadt muss dreizehn Straßennamen
zurückziehen. Im Neubaugebiet Skoatterswald in der Nähe
des Fußballstadions können die Wege danach nicht nach
Dessau, Kassel oder Hannover benannt werden. Der Grund: Im Zweiten
Weltkrieg haben viele Niederländer Zwangsarbeit in Deutschland
leisten müssen, unter anderen auch in diesen Städten.
Der Mann, der die Diskussion ins Rollen brachte, hatte während
der Kriegsjahre "für die Deutschen Sklavenarbeit verrichten
müssen", wie es im Leeuwarder Courant, der Tageszeitung
der friesischen Provinzhauptstadt heißt. Er selbst in Dessau,
sein Bruder kam in Hannover während der Zwangsarbeit ums Leben.
"Als ich aus Deutschland zurückkam, war ich zwanzig Kilo
leichter", erzählt der Mann, der anonym bleiben will.
"Dessau, Hannover, Kassel sind Namen, auf denen in unserer
Familie immer ein Fluch hängt.." 1943 seien allein nach
Hannover 30 Friesen aus Heerenveen verschleppt worden.
In der Stadtverwaltung von Heerenveen hat man nicht so weitreichend
nachgedacht. Geranda Hofman aus der Straßennamenkommission
erklärt, dass die deutschen Namen allesamt gewählt worden
sind wegen der deutschen Wurzeln des niederländischen Königshauses
von Oranien-Nassau. Die Straßennamen hätten
sich aus den Titeln der drei deutschen Ehegatten der Oranier ergeben.
Hannover von Anna von Hannover, Frau von Willem Karel Friso. Der
Straßenname Wolfenbüttel erinnert Sophia Hedwig van Brunswijk
Wolfenbüttel. "An sich kann man daran nichts kritisieren",
relativiert der Mann, der seinen Bruder in Dessau verlor, "aber
ich hoffe, dass ich demnächst nicht durch die Dessau-Allee
laufen muss - mit all den fürchterlichen Erinnerungen daran."
Die Ratsparteien GroenLinks (GrünLinks) und die christdemokratische
CDA finden es "befremdlich, dass man bei der Wahl nicht die
Vorkommnisse während des Zweiten Weltkrieges bedacht hat",
meint zumindest Hans Hiemstra (CDA). Kollege André Rijnbeek
(GroenLinks) findet es "sehr unglücklich" und "ohne
Not verletzend". Er werde sich in der nächsten Stadtratssitzung
für andere Namen einsetzen.