Goedemorgen - Weltrekordler
im Rückwärts-Rad-Fahren
Aufgestellt von Pieter de Hart aus Grootschermer
Grootschermer. Darauf muss man kommen: Pieter de Hart (52)
aus dem
nordholländischen Grootschermer (nordwestlich von Amsterdam)
ist der
Weltrekordler im Rückwärts-Rad-Fahren. Das ist keine olympische
Disziplin, aber der Mann aus dem kleinen Kaff oberhalb von Amsterdam
hält immerhin den Weltstundenrekord und den Weltrekord über
50 Kilometer - mit dem Rücken zum Lenker, versteht sich.
In einer Reportage für das Heimkino von Eurosport erzählt(e)
er von seiner Leidenschaft. "Viele Rückwärtsdradfahrer
gibt es nicht, vielleicht zehn Leute." Gleichwohl hält
er selbst große Stücke auf seine Kunst. Ein Radsportjournalist
habe erst vor kurzem seine Leistung mit der des früheren Stundenweltrekordlers
Francesco Moser verglichen. "Das ist ein echter Sport, keine
Jahrmarktssensation. Ich sitze nicht auf dem Sattel, sondern andersherum
auf dem Lenkrad und mache entgegengesetzte Tretbewegungen. Spiegel
oder andere Hilfsmittel gibt es nicht. Ich muss mich jedesmal umdrehen,
wenn ich sehen will, wohin das Rad rollt."
1990 brachte er seinen ersten Stundenrekord noch auf die Kilometerzahl
von 23,6. Nachdem ein Konkurrent ihn überholte (25,9 km), holte
er sich diesen inoffiziellen Weltrekord im vergangenen Jahr zurück.
Die Bestleistung steht jetzt bei 26,9 Kilometer. Das blieb nicht
der einzige Rekord, Pieter de Hart fietste, wie die Niederländer
sagen, gleich durch zum 50-km-Rekord. Seine Zeit: 2:00,08 Stunden.
Die beiden Weltrekorde brauchte er, um den Weg ins Guinness-Buch
der Rekorde zu finden. Pieter de Hart: "Das war nicht so schwer.
Die Zeit, die dort stand, stellte nichts dar, ein schlapper Rekord.
Der Typ muss auf halber Strecke eingeschlafen sein."
Seine Rekorde fuhr der Mann aus Grootschermer auf der Bahn des
Skeeler-Klubs (Inline-Skater) Oost-Veluwe in Heerde. Noch in diesem
Frühjahr gibt es einen neuen Rekordversuch. Pieter de Hart:
"Am liebsten aber nicht auf einer Bahn." Da gehe zu viel
Zeit wegen der Kurven und des damit verbundenen Aussteuern verloren.
Der Kommunikationsberater aus Grootschermer erntet für seinen
Sport nicht nur Bewunderung, auch eher mitleidige Blicke. "Manche
erklären mich für bescheuert. Jemand hat mir mal gesagt:
ich komme einfach nicht von meinem Image los. Wenn das so ist, dann
sorge dafür, dass Du zumindest der Beste bist. Also: Wenn ich
im Herbst meinen Weltrekordversuch starte, liegen 300 Trainingsstunden
hinter mir." Und mit einem gewissen Stolz: "Das ist ganz
einfach Sport."