Typisch Holland
  Niederländisches ABC
  Städte und Gemeinden
  Provinzen
  NL in Zahlen
  Wirtschaft
  Die Landschaft
  Geschichte
  Sport
  Who is who
  Königshaus
  Deutschland-Niederlande
  Fiets heißt Fahrrad
  Niederländisch sprechen
  Übernachten
  Essen und Trinken
   
Goedemorgen
   
  Arbeiten in Niederlanden
  NL im Ausland
  Niederländische Literatur
  Service
  Kontakt
  Impressum

 

 
Goedemorgen - Zwischen Ajax-Wirbel und Fan-Gewalt
 
Saisonstart in den Niederlande: Oranje wieder boven? - Ausverkauf des niederländischen Fußballs scheint gestoppt - Neue Qualität der Fan-Randale

Von Egon Boesten

Amsterdam/Rotterdam. Ganz Fußball-Europa leidet unter schwindenden Finanzen - in den Niederlanden ist man wenige Tage vor dem Start in die neue Saison zufrieden. Mit dem Dänen Jon Dahl Tomasson (von Feyenoord zu AC Mailand) und dem Schweden Marcus Allbäck (vom SC Heerenveen zu Aston Villa) verließen nur zwei herausragende Spieler die Klubs der Ehrendivision (1. Liga).

Die holländischen Talente blieben im Land, die meisten sogar bei ihrem Klub. Der Rumäne Cristian Civu widerstand der Verlockungen von Real Madrid. Kevin Hofland missachtete die Rufe aus England und beginnt unter dem alten und neuen PSV-Trainer Guus Hiddink die Saison in Eindhoven. Ajax gelang mit der Verpflichtung von Victor Sikora (Vitesse Arnhem) eine Top-Verpflichtung im eigenen Land ebenso wie Feyenoord, das sich mit dem Heerenveen-Stürmer Anthony Lurling verstärkte.

Vorbei die Zeiten, da ein Trainer Morten Olsen bei Ajax einen in schlechtesten Zeiten 60-köpfigen Spielerkader durchsetzte. Die Anteilseigner von Ajax-Aktien bekommen ein ums andere Jahre Verluste vorgerechnet; kein
Wunder, wenn die Spieler nicht wechseln können und wollen, Ajax weiter überflüssige Gehälter zahlen muss. Die nahezu manische Euphorie beim Ajax-Börsengang 1998 ist umgeschlagen in nüchternen Realismus

Symptomatisch die Entwicklung bei Ajax. Trainer Ronald Koeman meinte ohne zu zögern: „Machlas kann von mir aus gehen.“ Der griechische Stürmerstar, Europas Torjäger vergangener Jahre, verlor den Konkurrenzkampf gegen Mido (19) und Zlatan (20). Und als die Amsterdamer das eigene Saisoneröffnungsturnier bestritten, begann zum ersten Mal die internationale Fußball-Öffentlichkeit wieder über Ajax zu staunen. Alex Ferguson zollte der Elf von Ronald Koeman nach der 1:2-Niederlage gegen die Holländer großen Respekt, Alt-Ajax-Trainer Louis van Gaal verging das Lachen, als Van der Vaart, Van der Meyde und Co. aus einem 1:3 gegen Barcelona noch ein 4:3 machten - und Patrick Kluivert zog sprichwörtlich den Hut vor der neuen Generation der Ajax-Youngster. Man hat sich in den Niederlanden wieder auf alte holländische Fußballtugenden besonnen, schaut mehr auf die im eigenen Land ausgebildeten Jugendfußballer.

Bevor am Freitag das erste Meisterschaftsspiel angepfiffen wird, ist die Rollenverteilung auch in diesem Jahr wieder klar: Meister wird Ajax, vielleicht Feyenoord, vielleicht aber auch Eindhoven. Dass Heerenveen, Arnheim oder Utrecht da ein Wörtchen mitreden können, scheint unwahrscheinlich. Den ersten Titel der Saison haben die Amsterdamer schon. Im Supercup um die Johan-Cruyff-Schüssel gegen PSV gab es einen ungefährdeten 3:1-Erfolg.

Dass die Mannschaft von Guus Hiddink in Eindhoven dabei stundenlang von eigenen Fans (!) an der Abfahrt gehindert wurde, signalisiert eine neue Qualität der Fan-Konflikte. So werden auch in dieser Saison wieder viele
Bürgermeister der Städte Spielansetzungen vornehmen, wenn es darum geht so genannte „Risiko-Spiele“ von den unsicheren Abendstunden in die Mittagszeit zu verlegen. Angesichts der Morddrohungen gegenüber Trainer Bert van Marwijk (Feyenoord) und Frank Rijkaard (Ex-Sparta Rotterdam) befürchten die niederländischen Fußballliebhaber, dass es in der neuen Saison auch wieder viele negative Schlagzeilen außerhalb des Spielfeldes geben wird. Da tröstet der neue Schwung im Ajax-Spiel nur wenig.

Copyright: Egon Boesten@t-online.de


 
Ihre Meinung l Ihre Ergänzung l Ihr Beitrag für holland-news.de l Familienbande