Typisch Holland
  Niederländisches ABC
  Städte und Gemeinden
  Provinzen
  NL in Zahlen
  Wirtschaft
  Die Landschaft
  Geschichte
  Sport
  Who is who
  Königshaus
  Deutschland-Niederlande
  Fiets heißt Fahrrad
  Niederländisch sprechen
  Übernachten
  Essen und Trinken
   
Goedemorgen
   
  Arbeiten in Niederlanden
  NL im Ausland
  Niederländische Literatur
  Service
  Kontakt
  Impressum

 

 
Goedemorgen - Tourismus: Die Deutschen bleiben aus
 

Ursachenforschung und Kampagnen für ein besseres Holland-Bild. Zwischen Maastricht im Süden und Texel im Norden will man nicht nur die jugendlichen Hasch-Touristen

Von Egon Boesten

Amsterdam/Köln/Den Haag. Die Ausstellung "Zimmer frei" über deutsch-niederländische Verhältnisse ist erfolgreich sowohl in dem einen wie in dem anderen Land gelaufen; der WDR hat mit seiner gleichnamigen Fernsehsendung gute Zuschauerquoten. "Zimmer frei" wird allerdings in diesen Tagen für die deutschen Nachbarn im Westen zum Schreckgespenst.

Die Anzahl deutscher Touristen in Holland hat im vergangenen Jahr mit acht Prozent dramatisch abgenommen. „Zu teuer“, meint so mancher, der in den vergangenen Tagen nach den Gründen gefragt worden ist. Ein Phänomen, unter dem nicht nur die auf deutsche Touristen orientierten niederländischen Badeorte von Den
Helder im Norden bis Cadzand im Süden des Landes leiden. Nur noch knapp 2,7 Millionen deutsche Touristen zieht es zur Erholung ins Nachbarland. Vorbei die Zeiten, da im Umfeld der Nordseeküste Bauern jede Wiese in einen Campingplatz umfunktionierten. Das Bedenkliche: Es ist bereits das zweite Jahr, in dem die Besucherkurve nach unten zeigt. Im davor liegenden Jahr betrug das Minus 5,3 Prozent nach Angaben des zentralen Statistikamtes der Niederlande, Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS).

Neben allgemeinen Tendenzen wie ökonomische Gesamtentwicklung und Inflation geht man bei den Tourismus-Managern aber auch selbstkritisch zu Werke. „Sie finden uns auch nicht mehr so spannend“, heißt es beim zentralen Tourismusverband des Landes (Toerisme Recreatie Nederland ,TRN).

Eine Holländerin meint, es falle ihr immer mehr schwerer deutsche Freunde zu einem Urlaub im Land zu überreden, da das Auto nicht sicher sei. „Das Autokennzeichnen war Grund genug, es zu beschädigen“, zitiert das angesehene NRC Handelsblad eine Niederländerin.

Hinzu kommt: Die Deutschen haben echte Alternativen. Ein Sprecher der deutschen Botschaft in Den Haag: „Das ist ganz einfach. Deutsche kommen hierhin vor allem wegen der Küste; und die haben wir jetzt selbst auch.
Reichlich: Denn Mecklenburg-Vorpommern mit seinen weiten Ostseestränden ist zum richtigen Konkurrenten für die Niederlande in Sachen Tourismus geworden. Die Bestätigung kommt von TUI aus Hannover: „Der Tourismus boomt dort.“

Sogar der Holländer selbst zieht die Ostsee inzwischen vor. Die Zahl der Niederländer, die im vergangenen Jahr Deutschlands Ostsee-Erholungsgebiete besuchte, ist um zwanzig Prozent gestiegen.“

Eine Klientel werden die Holländer wohl in absehbarer Zeit nicht verlieren: die Haschtouristen. Ein deutscher Jugendlicher in Zandvoort, wo die Musik an manchen Tagen nicht abgestellt werden muss, meint: Es gibt keinen Platz, wo man so locker Hasch rauchen kann wie hier; wir bleiben und kommen wieder.“

Eine 1,4 Millionen Euro teure Kampagne, in der die Deutschen auch mit Architektur, Kultur und Geschichte der Niederlande vertraut gemacht werden sollen, ist gerade zu Ende gegangen. Die Gesamtzahl der niederländischen Touristen (Einheimische und ausländische Gäste) betrug am Ende des Jahres 2001 25,2 Mio. Gesamtzahl der Übernachtungen: 80,5 Mio. Nimmt man noch die Bootsmieter, Ferienhausbewohner oder Campingplatzbesucher kommt man auf 31,9 Mio. Besucher.

Deutsche kommen aber nicht nur wegen Strand, Wind und Wasser, sondern auch wegen der Atmosphäre, wie man beim Niederländischen Büro für Tourismus in Köln weiß. Offenheit, wie von Rudi Carrell in den 70er und 80er Jahren im deutschen Fernsehen präsentiert, kommt gut an bei Deutschen. Man fährt gern in die Niederlande, weil man dort auch mit Einheimischen in Cafés zusammen kommt. Die Zeit der Vorbehalte sei endgültig vorbei. Auf beiden Seiten. Vorbei die Zeiten, in denen der deutsche Tourist beim Warme oder Echte
Bakker nicht bedient wird, nur weil er „Brötchen“, sagt - und nicht bolletjes. Vorbei auch die Zeiten, da der Holländer einen Deutschen, der nach dem Weg fragt genau in die andere Richtung schickt.

Copyright: Egon Boesten@t-online.de


 
Ihre Meinung l Ihre Ergänzung l Ihr Beitrag für holland-news.de l Familienbande