Kleintje Pils geht fremd: Gastkonzert
bei deutschen Freunden im Thüringen-Haus in Salt Lake City
Thüringen schlägt Deutschland klar nach Punkten -
Ein subjektiver Vergleich der deutschen Präsentation in
Salt Lake City
Von Egon Boesten
Salt Lake City. Die alte Dame kam direkt auf mich zu: Wissen
Sie ob das die Richtung zum Thüringen-Haus ist?
Oh, yes; 300 Meter geradeaus, dann 100 Meter links.
Die alte Dame wollte ganz sicher sein: And do they have
German food Sauerkraut, sagte sie im breitesten
Amerikanisch und schaute mich erwartungsvoll an. Ja, es gibt
auch Sauerkraut.
Aber das ist beileibe nicht das einzige, was die Organisatoren
aus Erfurt rund um ihr Thüringen-Haus anzubieten haben:
Die berühmte Thüringer-Bratwurst, Talks mit prominenten
Sportler und mit weniger Prominenten, der gesellige Abend
mit Musik und natürlich auch Bier. Viele bekannte Gesichter
hinterm Tresen helfen mit., dass der Laden von morgens bis
abends läuft. Kurz und gut: das ist eine Top-Reklame
für das Grüne Herz Deutschlands, wie
die Initiatoren ihr Land gern sehen und es im Ausland bei
Olympia in Lillehammer oder auch in Japan vor vier Jahren
und jetzt in Salt Lake City außerordentlich ansprechend
vertreten. Obwohl es am Anfang Zweifel gab, ob der Zuspruch
auch entsprechend ist (man liegt einige hundert Meter von
Salt Lake City Down Town entfernt), können sich die Thüringer
mit ihren vielen Medaillengewinnern auf Eis und Schnee nicht
nur sportlich auf die Schultern klopfen.
Das Deutsche Haus dagegen strahlt eine gewisse Exklusivität
aus, liegt fürs gemeine Fußballvolk außerhalb
jeder Reichweite (selbst in Universitätsnähe findet
man auf der Straße nicht einen, der den Weg dorthin
kennt.
Auch Taxifahrer zucken häufig mit der Schulter, Und
selbst wenn man einmal drin ist ich habs geschafft:
einmal zum Gucken, einmal auf Einladung des deutschen Honorarkonsuls
in Salt Lake City beim Empfang des deutschen Botschafters
scheinen die Hemm-schwellen, die vor der Eingangstür
zum Deutschen Haus als Treffpunkt von Sponsoren, Funktionären,
Sportlern und Journalisten aufgebaut sind, bis ins Innere
hineinzureichen.
Thüringen ist also mit seinem Haus klarer Punktsieger
vor dem Deutschen Haus, das wie schon bei anderen olympischen
Spielen eine Chance vertan, auch direkte Deutschland-Werbung
zu betreiben. Andere Nationen (zum Beispiel die Schweiz, die
Norweger, die Holländer, nicht zu vergessen die Österreicher)
machen es eigentlich vor. Der Blick nach Thüringen würde
allerdings auch schon reichen. Und wenn dann auch noch Hollands
Top-Blaskapelle (bekannt von allen möglichen Olympischen
Spielen) bei den Sportlern aus Thüringen ein Gastkonzert
(Wir haben viele deutsche Freunde), dann sagt
das auch schon eine ganze Menge.