Ganz neu in den Niederlanden: Das Fahrrad kommt von Rechts - und
hat Vorfahrt
Den Haag/Urk/Zoetermeer. Die Nation
ist gespalten: Vorfahrt für alle, die von von Rechts kommen -
das stürzt die fietsers, wie in den Niederlanden die Zweiradchaffeure
genannt werden, ins Unglück. So die Befürchtungen vieler
Holländer vor dem 1. Mai; allein in der Provinz Gelderland mit
den Großstädten Arnhe(i)m und Nijmegen äußerte
die Hälfte der Befragten lautstark bedenken.
Eine unbegreifliche Maßnahme, um den Schwächsten
im Verkehr die meisten rechte zu geben unter dem Mantel der Sicherheit,
vermutet ein Besucher der Website der Vereinigung für Verkehrssicherheit.
Das Verkehrsministerium in den Haag mit Ministerin Netelenbos hat
denn auch schwere Geschütze aufgefahren, um die neue Maßnahme
beim westlichen Nachbarn unters Volk zu bringen. Vater Abraham und
seine Schlümpfe. Unter dem Motto Geef het door, rechts
gaat voor - gibs weiter, rechts zuerst lässt Pierre Kartner
(so der bürgerliche Name von Vater Abraham) seine Schlümpfe
auf Kinderrädern den Vortritt.
Die Regel gilt für insbesondere für Fahrradfahrer, Mopeds,
Behindertenfahrzeuge, Pferdekarren und Reiter, nicht aber für
Fußgänger oder Inline-Skater, und zwar immer dann, wenn
gleichrangige Straßenkreuzungen und
Einmündungen nicht durch Ampeln oder Vorfahrtsschilder geregelt
sind. Der bei nicht allen Deutschen beliebte Kreisverkehr ist davon
nicht ausgenommen. Die Deutschen sind übrigens verantwortlich
dafür, dass Fahrradfahrer bis in den tagen vor dem 1. Mai dieses
Jahres keine Vorfahrt von rechts hatten. Zur Besatzungszeit waren
die deutschen von den vielen Fahrradfahrern in den Niederlanden
so genervt, dass sie ihnen kurzerhand die Vorfahrt nahmen. Nach
Kriegsende vergaß man in Holland schlichtweg, die alte Regelung
wieder einzuführen.
Die Gemeinden, so wie das konservative Urk am Ijsselmeer, ächzen
unter der Last der Kosten (ca. 250.000 Mark). Schon bei der Umleitung
der Mopeds (bromfietsen) vom fietspad, Fahrradweg, auf die Straße
waren die Kommunen vor zwei Jahren kräftig zur Kasse gebeten
worden.
Verkehrsexperten sehen dem 1. Mai ruhig entgegen. Bert Woudenberg
von der Vereinigung der Verkehrssicherheitsorganisation: Weil
die Gemeinden die Kreuzungen verändert haben, glaube ich, dass
die Verkehrssicherheit noch zunimmt. Der Fietserbond in Utrecht
sieht dagegen eine ureigene Forderung
verwirklicht. Der Fietsersbond ist froh über diese Regelung,
die durch Einsatz der Vereinigung zustande gekommen ist. Kinder
auf speziell Dann soll es, übrigens wie überall in Europa,
heißen: Wer von rechts kommt, hat Vorfahrt.