Deutschland - Niederlande - Kollege
Kees und die deutschen Journalisten
Mein Freund Kees und die deutschen
Fußballexperten
Von Egon Boesten
Kollege Kees war beim deutschen Debakel in Rotterdam(Euro 2000),
hat genau beobachtet seine deutschen Kollegen auf der Pressetribüne.
Kees Jansma, der holländische Ernst Huberty (oder Heribert
Faßbender), erzählt:
"Die deutschen Kollegen nahmen munter Platz, spekulierten
über die Chancen von Rumänien gegen England. Nach einigen
schönen Aktionen von Marco Bode, hieß es gleich: Super-Marco.
Die Stimmung schlug um, als Portugal zum 1:0 kam. Anlass für
die deutschen Kollegen, um wenig nuanciert auszuholen wie der ganz
normale Fanatiker, der für Portugal ruft Zugabe, dann knallhart
Aufhören schreit um schließlich laut Ribbeck raus zu
fordern.
In knapp einer Stunde war die Stimmung komplett umgeschlagen. Als
ein deutscher Berichterstatter rief, jetzt seien mit Deutschland
und England zwei Favoriten ausgeschieden, konnte ich mich nicht
zurückhalten, drehte mich um und fragte zynisch: Zwei Favoriten?
Als Erich Ribbeck das Stadion verließ, wusste er wahrscheinlich
schon, was ein Teil der deutschen Zeitungen schreiben würde.
Wie hätte ich mich gefreut, wenn Ribbeck so wie Louis van Gaal
bei seinem Abschied in Barcelona ausgeholt hätte. Zum Beispiel
so: Meine Herren, Sie waren lange Zeit skeptisch im Hinblick auf
unsere Euro-2000-Vorbereitung; Sie wurden optimistisch nach unserem
3:2-Sieg gegen Tschechien, sie hofften wieder nach unserem 8:2 gegen
Liechtenstein, Sie waren einigermaßen zufrieden nach dem 1:1
gegen Rumänien, Sie haben uns runtergeputzt nach dem 0:1 gegen
England, Sie rechneten am Vorabend des Portugal-Spiels mit einer
Überraschung, Sie vernichten uns gegenwärtig mittleidlos.
Kurz, Sie haben Ihr Fähnchen in alle Windrichtungen gehängt,
Sie haben nicht einen Deut Ahnung von der Sache. Dann wäre
ich aufgestanden und hätte lauthals gerufen: Super!!!"