Deutschland - Niederlande - Deutsche
Bahnarbeiter in den Niederlanden
Utrecht. In der Zentrale der Nederlandse
Spoorwegen, den niederländischen
Eisenbahnen, ist man Kummer gewohnt: Verspätungen, Schließung
von
Bahnstationen, Konkurrenz durch kommerzielle Anbieter, noch immer
keine
Einigkeit über die Hochgeschwindigkeitstrasse von Amsterdam nach
Paris über
Brüssel. Und jetzt kommt auch noch ein akuter Mangel an Zugmaterial
und
Personal. 150 Second-Hand-Waggons übernahm die NS, die das dichteste
Eisenbahnnetz in Europa unterhält, von der Deutschen Bahn im
vorigen Jahr
Doppelstockzüge sind ebenfalls geordert.
Was bleibt ist der Mangel an Personal. 300 Monteure und nahezu
500
Maschinisten sind in den nächsten Jahren nötig. In dieser
Situation hat die
niederländische Eisenbahn ,eine groß angelegte Werbekampagne
in Deutschland
gestartet: deutsche Zugführer nach Holland. Während in
Deutschland die Bahn
AG ihre Beschäftigten ständig mit neuen Entlassungswellen
droht, hofft man
auf der anderen Seite der Grenze auf deutsches Personal. In den
Niederlanden
neues Personal zu werben war vorher gescheitert. Jeder niederländische
Bahnbedienstete hätte eine Prämie von 1000 Gulden (900
Mark) erhalten, wenn
er einen neuen Kollegen zur Arbeit mitgebracht hätte.
Doch obwohl in den nächsten Jahren mehr als 50.000 Bahnbedienstete
nach
Plänen der Deutschen Bahn AG freigesetzt werden sollen, ist
die Bereitschaft
in Deutschland noch nicht riesig. Gewerkschaftssprecher Chell meint
in einem
Gespräch mit der niederländischen Regionalzeitung De Gelderland,
Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten seien schlechter
als in
Deutschland.
Sein niederländischer Gewerkschaftskollege Hardeveld sieht
Probleme für
deutsche Maschinisten, die "sich erst noch ans niederländische
System
gewöhnen müssten. Und natürlich ist da auch ein Sprachproblem".
In
Deutschland gibt es 27.000 Lokführer, in den Niederlanden 3000.
Ob das
Sprachproblem wirklich so groß ist, bezweifeln Kenner. Auf
der ICE- Strecke
zwischen Köln und Amsterdam ist sowohl deutsches wie auch niederländisches
Personal im Einsatz. Die Bediensteten beider Länder sind zweisprachig