Deutschland - Niederlande - Es
war nie der Krieg - es ging immer nur um Fußball
Deutsch-niederländische Ressentiments
werden in den Tagen der
Fußball-Europa-Meisterschaft in Belgien und den Niederlanden
wieder
Hoch-Zeiten feiern. Da ist sich Dik Linthout aus Amsterdam sehr sicher.
Linthout ist Übersetzer, unterrichtet Niederländisch für
Deutschsprachige am
Goethe-Institut in der niederländischen hauptstadt und hat gerade
ein Buch
geschrieben: Onbekende buren - Unbekannte Nachbarn (ISBN 9045002043,
36,90
hfl).
Niederländer glauben, so Linthout, dass die Deutschen an sich
ein
"arrogantes, stures, humorloses und herrschsüchtiges Volk"
seien. Deutsche
seien ganz anders als Holländer. Sie mögen es nicht zu
scherzen, wenn es um
Geschäfte gehe. Wenn der Niederländer einen goldenen Mittelweg
suche, wolle
der Deutsche grundsätzlich diskutieren. Und dann seien da ja
auch noch die
schrecklichemn Sandburgen und Gräben am Strand von Scheveningen,
Zandvoort
oder anderswo an der niederländischen Nordseeküste. Als
ob es nicht schon
genug Belege dafür gäbe, dass die Deutschen unverbesserliche
"territoriale
Machos" seien.
Linthout beschränkt sich nicht darauf, altbekannte und neue
Vorurteile
heraufzuholen, sondern räumt en passant damit auf. Zum beispiel
die
Sandgräben am Strand. Linthout erzählt seinen Landsleuten,
dass es in
Deutschland üblich sei, einen Strandkorbfür einen gesamten
Urlaub zu mieten.
Wenn man sie in einen Sandgraben stellt, fallen sie nicht so leicht
um. Neue
Erfahrungen im eigenen Land machte Dik Linthout, nachdem er seine
deutsche
Frau kennen gelernt hatte. "Meine Frau wurde als undeutsch
gesehen, weil sie
tolerant, fröhlich und intelligent ist. Das sind Eigenschaften,
die wir
Deutschen so nicht zuschreiben." Auf die Dauer habe sie allerdings
diese Art
der Verpackung von antideutschen gefühlen sehr gestört.
Dass die bestehenden Vorurteile der Niederländer mit dem zweiten
weltkrieg
zu tun hätten, bestreitet Dik Linthout - ähnlich wie der
deutsche
Niederlande-Experte, Professor Horst Lademacher, ganz energisch:
"Es gibt
viel mehr Übereinstimmungen als Unterschiede; viel mehr ist
uns vertraut als
dass es uns fremd ist." Sein Schluss: "Deutsche sind alles
das, was
Niederländer nicht sein wollen."
Vor dem Hintegrund der Fußball-Europameisterschaft sagt Dik
Linthout klipp
und klar: "Die Niederlande waren nie ein so gutes Fußballand.
Dann kam
Cruyff - und wir gehörten auf einmal dazu, um dann, verdammt
noch mal gegen
die Deutschen zu verlieren. Die Jungs, die 1988 in der niederländischen
Nationalmannschaft standen, haben dies alles als zehnjährige
mit Tränen in
den Augen sehen müssen. Und das wurde 1988 ausgelöscht
und vergessen
gemacht."