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Deutschland - Niederlande - Holländische Kriegsbeute an Deutschland zurück
 
Niederländischer Historiker schlägt Rückgabe von Haus Doorn an den deutschen Staat vor

Nijmegen/Doorn. Das ließ die in Sachen Aufarbeitung Zweiter Weltkrieg konservativen Niederländer aufhorchen: In der Maartenskirche von Doorn bei Utrecht forderte der niederländische Geschichtswissenschaftler Melchior
Bogaarts die Rückgabe des Hauses Doorn an Deutschland. Der Herrensitz war von 1920 bis zum 1941 Exil des deutschen Kaisers Wilhelm II. gewesen. Die im Ersten Weltkrieg neutralen Niederlande hatten dem Hohenzollern Asyl gewährt. Wilhelm II. verbrachte von 1918 bis zu seinem Tode 1941 die Jahre in Holland, wie die Chronisten süffisant vermelden, mit Holzhacken, dem Sammeln kurioser, manchmal auch wertvoller Gegenstände und dem ständigen Wechseln seiner Uniform (bis zu sechsmal täglich). Haus Doorn war später Museum geworden, wird von einer Stiftung verwaltet, die den niederländischen Staat jedes Jahr eine halbe Million Gulden kostet (450.000 Mark). Das wollte der Staatssekretär im Kulturministerium einsparen, musste seinen Vorschlag allerdings vor einem Jahr nach scharfen Protesten allerdings wieder zurücknehmen.

Bogaarts, der früher an der Katholischen Reichsuniversität von Nijmegen (Nimwegen) arbeitete (Schwerpunktforschung: deutsch-niederländische Grenzfälle nach der deutschen Besatzungszeit), begründet seine Forderung nach Rückgabe an die Deutschen damit: In einer Zeit, in der viel über die Rückgabe jüdischen Eigentums gesprochen werde, müsse man auch die Aufmerksamkeit auf die konfiszierten deutsche Kriegsbeute richten.

In einem Vortrag für die Niederländisch-Deutsche Gesellschaft sagte Bogaarts: "Mit allem Respekt für die Ehrenamtlichen, die das Museum Haus Doorn instand halten und Besucher führen, aber ich finde es seltsam, dass
wir deutsches Feindvermögen mit niederländischem Steuergeld pflegen."

Diesen Kaiser, der vom zurückgetretenen englischen König Eduard VII. mal als der "brillanteste Fehlversuch der Geschichte" bezeichnet wurde, in den Niederlanden zu ehren - das ginge ihm zu weit. Deswegen schlage er vor, Haus Doorn an Deutschland zu verkaufen, das Inventar der Familie der Hohenzollern zurückzugeben. Willem II war 1918 mit 59 Güterwaggons aus Berlin und Potsdam nach Schloss Doorn gebracht worden. Tucholsky kommentierte 1922 zynisch: "Die Krone fiel. Wer wird denn da weinen! Das ganze Geld kam nachgerollt."

Zwar wurden schon einige private Gegenstände an die Familie der Hohenzollern zurückgegeben, aber der Antrag von Louis Ferdinand von preußen, Haus Doorn nicht mehr als Feindesgut zu betrachten wurde zuletzt 1951 abgelehnt. Man betrachtete das Gut als Schadensersatz für die zeit der deutschen Besatzung.

Übrigens nicht die einzige Wiedergutmachung, die von den Deutschen an die Niederländer geleistet werden sollte. Unmittelbar nach Kriegsende, so Historiker Boogaarts, sei das Verhältnis der Holländer gegenüber ihren
östlichen Nachbarn durch pure Rachsucht gekennzeichnet gewesen.

Es bildete sich gar ein Komitee zur Gebietserweiterung. Eifrigste Mitglieder waren die katholischen Parteigänger. Man erhoffte sich in den Grenzgebieten neue Ländereien für die niederländischen Bauern. Der erste Vorschlag - eine gerade Linie von Vaals im Süden (bei Aachen) über Winterswijk bis zur Ems zu ziehen, hätte ein Gebiet mit mehr als einer halben Million Deutschen umfasst, wurde aber von den Amerikanern nach 1945 abgelehnt.

Der zweite Vorschlag (1750 Quadratkilometer mit 120.000 Deutschen, hätte zwar auch noch ein paar deutsche Kohleregionen den Niederlanden zugefügt, ließ sich aber auch nicht durchsetzen. Die Deutschen protestierten, die
Holländer erwiderten pikiert: "Was wollen die denn?" und schließlich mussten sich die Niederlande nach einer Konferenz in London 1948 mit der Region rund um den Eltenberg (Niederrhein) zufrieden geben ( 135 qkm, 13.500 Einwohner). Auch dies wurde 1963 wieder an Deutschland zurückgegeben, ein kleines
Naturgebiet am Nijmegener Teufelsberg allerdings nicht.

Melchior Boogaarts wolle die deutsche Besatzungszeit nicht verniedlichen. "Der Krieg ist sehr schlimm gewesen. Allerdings war die niederländische Auffassung davon, auf was man Recht und Anspruch habe, recht naiv." Belgien
habe sich viel erwachsener in diesen Fragen gezeigt." Haus Doorn komme "uns nicht zu. Wir haben es erbeutet. Wilhelm war eine große Null, aber was haben er oder seine Familie uns angetan?"

Der Historiker schlägt vor, Haus Doorn nach Rückgabe an Deutschland in ein deutsch-niederländisches Zentrum zu verwandeln - wie das Haus der Niederlande in Münster/Westf. Boogaarts: ",Man möge festlegen, dass dort nur
deutsches Bier ausgeschänkt werden darf. Dann bekommt das deutsche Zum Wohl auch noch für viele Holländer eine breitere Bedeutung."

 
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