Typisch Holland
   

Niederländisches ABC
- B wie van Basten
- C wie Chinesen in den
Niederlanden

- D wie Drogen
- G wie gelbe Nummernschilder
- H wie van den Hoogenband
- L wie Leuchtturm
- M wie Matjes
- N wie norwegische Brüder
- P wie pinkeln
- S wie Stau
- W wie Wilhelmus

   
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Niederländisches ABC
 
S wie Stau und Sinterklaas

Mit dem Lumpensammler gegen den Stau:
Files sind auch in den Niederlanden ein tägliches Problem

Den Haag. Freie Fahrt für Autos, die mit mindestens vier Leuten besetzt sind, Kampagnen für Carpooling, öffentlicher Nahverkehr auf dem Wasser, Privatisierung ganz Bahntrajekte, Appelle und Drohungen - es gibt eigentlich viel, was in den Niederlanden noch nicht ausprobiert worden ist, um dem Stau auf Autobahnen zu Leibe zu rücken. Wenn alles nicht hilft, hilft der Besenwagen.

Beim Marathon ist es der so genannte Lumpensammler, im Radsport werden alle die im Besenwagen mitgenommen, die es nicht mehr schaffen. Der Besenwagen, der seit kurzem auf den niederländischen "snelwegen" (Autobahnen) unterwegs ist, ist ein Polizei-Volvo und wird gefahren vom Unfall-Manager. Ziel: Bei
Unfällen die Unfallstellen so schnell wie möglich zu räumen, damit es nicht bei übervollen Autobahnen zu noch mehr Staus kommt.

Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass sich der volkswirtschaftliche Schaden von Staus auf 300 Millionen Gulden (270 Mio. Mark) vor der Einführung des Unfallmanagers belief, danach waren die Kosten auf 200 Mio.
Gulden (180 Mio. Mark gesunken). Unfallmanagement heißt: die Autobahn so schnell wie möglich frei und/oder sicher zu bekommen.

Die Kosten für diese Art von Unfallmanagement belaufen sich auf 5 Mio. Gulden pro Jahr. Bei gleichzeitig ersparten 100 Mio. Gulden muss man kein Mathematiker sein, um das Aufgehen dieser Rechnung zu verstehen. Auch der Zeitgewinn, so haben Versuche ergeben, ist enorm. Mit Hilfe des Unfallmanagers kann die Autobahn mit 15 Minuten Zeitersparnis wieder frei gemacht werden. Projektleiter Dick Heyse aus Utrecht im Wochenblatt
Elsevier: "Früher konnte es geschehen, dass zwei Autos mit leichtem Blechschaden eine halbe Stunde auf der Straße herumlamentierten, während der volkswirtschaftliche Schaden in die Tausende geht."

Die Idee kam den Holländern aus den USA. Das Begrenzen von Staus und Stockungen ist eine politische Maßgabe. In den Niederlanden wird das gesamte Unfallmanagement auf Autobahnen in Apeldoorn (zwischen Amsterdam und Arnheim) koordiniert. 24000 Unfälle gibt es in den Niederlanden zu managen, 1500 mal sind Lkw beteiligt. Für die Manager aus Apeldoorn eine hohe Anforderung: "Es kann nicht sein, dass durch einen umgekippten Lkw der gesamte Verkehr in der Randstad still gelegt wird."

Wenn die Randstad, das Herz der Niederlande mit den vier großen Städten Amsterdam, Rotterdam, Utrecht und Den Haag betroffen ist, geht beim deutschen Nachbarn nichts mehr. Als vor kurzem ein Unfall den Schipholtunnel
blockierte, registrierten die Beobachter innerhalb kürzester Zeit 420 Kilometer so genannter "files", Staus.

Um der Lage Herr zu werden, gibt es in der Diskussion um den Verkehrsstau kein Tabu. Jede Möglichkeit wird ernsthaft diskutiert. Von Amsterdam gibt es neben den privaten Bahnverbindungen der Reederei (!) Lover's inzwischen auch Fährverbindungen zur Vorstadt Velsen. Dass aber auch auf dem Wasser die Bäume nicht in den Himmel wachsen, musste man im Land der Grachten, Windmühlen und Kanäle unlängst feststellen. Die mit großen Erwartungen ins Leben gerufene Fähre Amsterdam - Almere musste Konkurs anmelden.

1-Dez-2001

 

Sinterklaas - Weihnachtsmann: Es steht 2:0

Woudrichem/Gorinchem. Der erste Samstag nach dem Martinsfest ist in den Niederlanden traditionell Ankunftstag von Sinterklaas, dem heiligen Nikolaus. Der legendäre Bischof von Myra (4. Jahrhundert) hat bis zum 5. Dezember, dem pakjesavond, eine Menge zu tun. Die cadeautjes, die kleinen Präsente, müssen in die Häuser zu den Menschen zwischen Groningen und Maastricht gebracht werden.

Für den holländischen Einzelhandel begann damit das große Geschäft mit den Geschenken. Das holländische Fernsehen war, wie jedes Jahr, live dabei, als der Sinterklaas mit seinem Zwarte Piet, die niederländische Version des Knecht Ruprecht, mit seinem Schiff an der Kade der Boven Merwede anlegte.

Die Kinder von Woudrichem in Noord-Brabant haben allerdings erstaunt aufgeschaut, denn bereits eine Woche vorher hatte es eine Ankunft des heiligen Mannes und Wohltäters gegeben: gegenüber von Woudrichem im Hafen
von Gorinchem. Weil die Zeitspanne vom Martinstag bis zum ersten Samstag danach in diesem Jahr außergewöhnlich groß waren, haben interessierte Geschäftsleute auf der anderen Seite der Boven Merwede den Ankunftstag von Sinterklaas kurzerhand um eine Woche vorverlegt.

In Woudrichem war man entrüstet. In der Gemeinde wertete man dies als "jämmerlich für die Kinder von Woudrichem". Mädchen und Jungen, die sich dann über den doppelten Sinterklaas in Woudrichem gewundert haben, bekamen zu hören, dass "der Bruder von Sinterklaas" auf der anderen Seite in Gorinchem seine Aufwartung gemacht habe.

Sinterklaas hat in den Niederlanden bis zum Abend des 5. Dezember konkurrenzlos das Sagen. Der Weihnachtsmann ist bis dahin tabu in Kaufhäusern und Einkaufspassagen. Gegenüber dem niederländischen Telegraaf, der größten Zeitung des Landes, erklärt Ad van Dongen, Sprecher des Kaufhausriesen De Bijenkorf: "Vor dem 5. Dezember kommt bei uns kein Weihnachtsbaum in die Schaufenster." Er sei stolz darauf, dass man als Kaufhaus das für die Niederlande so klassische Sinterklaas-Fest in allen Ehren bewahre.

Und so jubelten in Woudrichem nicht nur Erwachsene und Kinder über einen grandiosen Sinterklaas-Empfang. Dabei geht Sinterklaas mit der Zeit, als er Kinder bat, ihm doch bitte schön auch eine e-mail zu senden. In diesem Jahr hat Sinterklaas nicht nur in Woudrichem im Rennen gegen den Weihnachtsmann die Nase vorn. Bis zum Abend des 5. Dezember bestimmen die Zwarte Pieten und Sinterklaas in den Niederlanden das Geschehen - 2:0 für Sinterklaas und seinen Helfer.

17-Nov-2001

 

Darf ich wählen zwischen Sinterklaas und dem Weihnachtsmann - und wer gibt mehr?"

Von Egon Boesten (Holland-News)

Die großen Vornamen-Buchstaben sind ausgepackt: Vollmilch, Bitter oder weiße Schokolade in großen Lettern gehören traditionell zu dem, was der Nachbar in den Niederlanden am gestrigen Pakjesavond vorgefunden hat. Doch Sinterklaas ist in den vergangenen Jahren immer mehr zum großen Geschenke-Festival geworden, das sich bis heute konkurrenzlos gegen den Weihnachtsmann behauptet. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen.

Der Blick in die Schaufenster zeigte, bis gestern Abend den heiligen Mann aus Myra (4. Jahrhundert). Kollege Weihnachtsmann hatte bis zum 5. Dezember in den Niederlanden Auftrittsverbot. Und wer die deutliche Unterscheidung des legendären Bischofs mit der Geschenke-Symbolfigur vom 24. Dezember nicht hinbekommt: Die Begleitung durch den Zwarte Piet oder gar mehrere Zwarte Pieten lässt keine Zweifel zu.

 

 

 

 

In bekannten niederländischen Kaufhauskette De Bijenkorf, ein wenig mit den französischen La-Fayette-Kaufhäusern vergleichbar, kommt "vor dem 5. Dezember kein Weihnachtsbaum" rein, heißt es bei Ad Dongen, Leiter der internen Kommunikation bei De Bijenkorf. Der Mann steht damit nicht allein.

In Groningen, im Norden des 16-Mio.-Volkes, gab es gar eine Initiative, die europaweit von sich Reden machte: Bis zum 6. Dezember darf sich dort kein Weihnachtsmann blicken lassen. Selbst die großen Einzelhandelsketten in den Niederlanden, ob Peek und Cloppenburg, die typisch holländischen Warenhäuser Blokker oder De Hema, keiner verstieß gegen den Grundsatz und stellte sicher, dass Sinterklaas auch weiterhin "das einzige nationale
folkloristische Ereignis" (der Soziologe Herman Vuijsje). Nicht "Stille Nacht, heilige Nacht", sondern die jedermann bekannten Sinterklaas-Liedjes bestimmten bis gestern die musikalische Untermalung.

Und auf der Ferieninsel Ameland bevölkerten gestern Abend - wie an jedem 5. Dezember - die seltsamsten gestalten die Straßen; verkleidete Männer verscheuchen Passanten und suchen die inselbekannten Kneipen in Nes oder Ballum auf, um dort den Frauen zu imponieren, sie zum Tanz zu nötigen. Sunderklaesavond, wie es im Inselfriesisch heißt, ist auf der beliebten Ferieninsel im niederländischen Wattenmeer, in der die Touristen schon lange weg sind (Herbstferien) oder noch längst nicht da sind (Weihnachtsferien) konkurrenzlos das Fest des Jahres.

Dabei bringt Sinterklaas, klassisch durch den Schornstein, in die Kinderstuben schon längst nicht mehr nur irgendwelche Kleinigkeiten. Playstation, Kickboard oder andere Dinge, die die Kids heute einfach haben
müssen, weil sie in sind, gehören zum Geschenke-Repertoire. Die Spielwaren-Ketten der Niederlande Intertoys (Marktanteil: 19,9 %), Bart Smit (13,7), Blokker (5,4), Speelboom (5,1) und dann erst Toys 'r' us (4,7) machen schon zum Sinterklaas-Fest ihren Schnitt, sehen aber noch Spielraum für weitere Umsatzsteigerungen. Am besten wäre es, wenn Sinterklaas nicht erst Mitte November, sondern Mitte Oktober einzöge.

Derweil plagen die kleine Jennifer ganz andere Sorgen. In einem Brief an den Sinterklaashof in Nuenen bei Eindhoven fragt sie: "Darf ich wählen zwischen Sinterklaas und dem Weihnachtsmann - und wer gibt mehr?" In der Geburtsstadt des niederländischen Vincent van Gogh gab man sich diplomatisch. Die Antwort aus Nuenen lautete, dass "Sinterklaas und der Weihnachtsmann die besten Freunde" seien. Der Abend des 5. Dezember (Sinterklaas-Deko raus, weihnachtlicher Schmuck rein) wird für den niederländischen Einzelhandel also weiterhin der stressreichste Abend sein. Süßer die Kassen nie klingeln, wird im Land zwischen Grachten, Windmühlen und Kanälen zweimal im Jahr gespielt.


 
 
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