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M wie Mata Hari

Mata Hari aus Leeuwarden: Warum man kein Geld in der Geburtsstadt der Tänzerin und Spionien ausgeben will

Von Egon Boesten

Leeuwarden. Je weiter man in den Niederlanden nach Norden kommt, desto weiter kann man schauen. Die Provinz Friesland ist ganz anders als Holland. Hier wohnen die Menschen nicht dicht gedrängt wie in der Ranbdstadt zwischen Amsterdam, Utrecht, Den Haag und Rotterdam. Hier weiß man heute, wer morgen
zu Besuch kommt. Und hier spricht man seine eigene Sprache. Mehr als die Hälfte der 600.000 Friesen sprechen Friesisch, anerkannte Amtssprache auf den Fluren der Rathäuser zwischen Dokkum, Heerenveen, Sneek und der Provinzhauptstadt Leeuwarden.

Aus dem nicht einmal 100.000 Einwohner zählenden Städtchen kommt die nach Königin Beatrix zweitbekannteste Niederländerin: Margaretha Geertruida Zelle. Die am 7. August 1876 geborene spätere Lehrerin ist besser bekannt mit ihrem Pseudonym, mit dem sie in die europäische Geschichte eingegangen ist: Mata Hari, ein malaysischer Ausdruck für die Sonne – wörtlich: Auge des Tags. Ihre Bühne sind die Klubs des Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Von ihrem Ehemann, dem niederländischen Kolonialoffizier Campbell MacLeod, hatte sie sich nach knapp zehn Jahren Ehe, hauptsächlich auf Java und in Sumatra durchgebracht, scheiden lassen.

Der Rest der Geschichte ist bekannt: Die verführerische Frau, die sich nackt auf der Bühne zeigt, gerät während des Ersten Weltkrieges in das Knäuel von Intrigen, Geheimnissen und Beziehungen. Ein deutscher Offizier bietet ihr in Den Haag Geld für Informationen aus und über Frankreich; später wird sie sagen, es seien nur veraltete Informationen gewesen, die sie weitergegeben habe. Auch für den französischen Geheimdienst beginnt sie mit Spionageaufträgen. Ihre Tätigkeit als Doppelagent wird im Frühjahr 1917 aufgedeckt, ohne dass allerdings ihre exakte Tätigkeit ermittelt werden konnte. Im Juli wird sie von einem französischen Gericht zum Tode verurteilt, ein Urteil, das am 17. Oktober in Vincennes vollstreckt wird, vor 85 Jahren. Heute erinnert das friesische Museum in ihrer Geburtsstadt Leeuwarden an die Tänzerin, und auch eine Mata-Hari-Stadtwanderung gibt es inzwischen.

Vor wenigen Tagen geriet das beschauliche Leeuwarden in die Schlagzeilen – nicht wegen Mata Hari, sondern wegen eines Politikers. Der Auftritt des Mannes der frommen niederländischen Christenunion hatte es in sich:
Leeuwardens Parlamentarier Albert Oostland befand, dass „jeder Cent „für diese ausgeflippte Nachtklubtänzerin alias Spionin“ herausgeworfenes Geld sei. Der Konservative ereiferte sich in selten gehörter Rage gegen die Pläne der Stadt Leeuwarden und der Provinz Friesland, 10.000 Euro auszugeben, um zu untersuchen, ob es sich lohne, eine Mata-Hari-Museum in Leeuwarden zu eröffnen.

Das große Friesische Museum, in dem bisher die Mata-Hari-Kollektion der Stadt untergebracht war, in der Mata Hari groß wurde, möchte ihre Museumsstücke abgeben; zurzeit wird das Haus in der Grote Kerkstraat in
Leeuwarden frei, in dem Mata Hari unter ihrem Mädchennamen Margaretha Geertruida Zelle gelebt hat.

Mit Vehemenz wehrt sich der christliche Parlamentarier gegen den Vergleich mit Anne Frank und den touristischen Wert, den das Anne-Frank-Haus an der berühmten Prinsengracht für Amsterdam habe.

Für seinen Ausfall bekam der Mann der neu formierten Christen Union Beifall der traditionellen Christdemokraten. Ad van der Ham häölt die Untersuchung für unnötig: „Wenn ein Geldgeber sich davon etwas verspräche, hätte er das schon längst in Angriff genommen.“ Vor allen Dingen, wenn man eineBesucherzahl von 40.000 bis 100.000 im Auge habe.

Vor kurzem gelang es dem friesischen Museum, das Tanzkostüm von Mata Hari zu erstehen. Frans Beyl (Friesisches Museum): „Das ist gleich die Nummer 1 in unserer Kollektion.“ Die Kanadierin Joyce Chorney hatte es für ihr Mata-Hari-Restaurant in Vancouver bei einer Versteigerung in London erstanden und es dem Museum in Leeuwarden verkauft.

In einem Aufsehen erregenden Buch hat der 92jährige Léon Schirmann jüngst behauptet, Mata Hari habe nie spioniert, sei unschuldig verurteilt worden. Gerk Koopmans, Mata-Hari-Stiftung Leeuwarden, bekräftigt: „ Mata Hari lag falsch, sie nahm Geld von den Deutschen, sie hat allerdings nie richtig spioniert, weder für die Deutschen noch für die Franzosen.“

Mata Hari, Tänzerin aus Friesland (Kurzbiografie)

1876 - 7. August: Mata Hari wird als Margaretha Geertruida Zelle, Tochter eines Hutmachers, in Leeuwarden (Niederlande) geboren.

1895 - Margaretha Geertruida Zelle heiratet nach ihrer Ausbildung zur Lehrerin den niederländischen Kolonialoffizier Campbell MacLeod.

1897-1902 - Während eines fünfjährigen Aufenthalts auf Java und Sumatra lernt Mata Hari die Kunst des asiatischen Tanzes. Ihr Mann war als Offizier bei der Kolonialmacht Niederlande tätig.

1902 - Das Paar MacLeod kehrt nach Europa zurück.

1905 - Mata Hari trennt sich von ihrem Ehemann, lässt sich in Paris nieder. Sie beginnt unter dem Namen Lady MacLeod als professionelle Tänzerin zu arbeiten. Die ersten Erfolge führen dazu, dass sie sich den Künstlernamen Mata Hari zulegt (malayisch für: Auge des Tages<9. Ihre Erfolge sprechen sich in Europa herum. Sie ist "die verführerische Frau", schlechthin. Viele kurze Beziehungen mit Militärs aller Nationen wechseln sich ab.

1914 - Mit Kriegsbeginn lebt sie vor allem in Belgien und in den Niederlanden.


1916 - Im Frühjahr macht ihr ein deutscher Offizier in Den Haag das Angebot, Informationen aus Frankreich zu kaufen. Bei ihrem Aufenthalt in Frankreich wird sie wegen des Verdachts auf Spionage verhaftet. Im Gegenzug beginnt sie ihre Spionagetätigkeit für den französischen Geheimdienst in den von Deutschen besetzten Gebieten.

1917 - 13. Februar: Der französische Geheimdienst erfährt aus englischen Quellen von der doppelten Spionagetätigkeit Mata Haris und verhaftet sie. Bei ihrer Festnahme gibt Mata Hari an, dass sie vorhatte, den Alliierten die Unterstützung des Herzogs Ernst August von Braunschweig-Lüneburg zu sichern. Die genauen Umstände ihrer Spionagetätigkeit bleiben weitgehend ungeklärt. 24./25. Juli: Sie wird vom französischen Militärgerichtshof des Hochverrats für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. - 15. Oktober: Mata Hari wird in Vincennes bei Paris hingerichtet.

 
 
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