Typisch Holland
   

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Niederlanden

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Niederländisches ABC
 
C wie Chinesen in den Niederlanden

Die niederländische Chinesen gehen an die Öffentlichkeit

Amsterdam/Rotterdam. Seitdem sie in den Niederlanden sind, bilden sie so etwas wie eine geschlossene Gesellschaft. Die Chinesen in den Niederlanden haben immer für sich gelebt. Jetzt gehen sie massiv an die Öffentlichkeit - weil sie Angst haben. Die Restaurantbranche bereitet sich auf landesweite Proteste vor. Der Grund: Die fernöstliche Küche zwischen Groningen und Maastricht wird bedroht durch Schutzgelderpressungen einerseits und den latenten Mangel an Fachkräften für die chinesische Küche sowie die Verfolgung von illegalen Arbeitskräften in diesem Sektor des Gaststättengewerbes.

Mehr als 2000 chinesische Restaurants zählt die Niederlande. Die meisten Chinesen sind in den Niederlanden geblieben, nachdem die mit Kohlen betriebene Dampfschifffahrt ein Ende gefunden hatte, durch mit Diesel
betriebene Schiffe abgelöst wurde. Als Streikbrecher waren die billigen Arbeitskräfte eingesetzt worden. Zurzeit leben zwischen 60.000 und 80.000 Chinesen unterschiedlichster Herkunft (China, Vietnam, Hongkong, Surinam) in den Niederlanden; die buddhistische Gemeinde, die am Zeedijk einen prächtigen Tempel bauen lässt, zählt in den Niederlanden knapp über 10.000 Mitglieder

So isoliert wie sie von den holländischen Arbeitern blieben, waren sie auch danach - in Rotterdam und in Amsterdam. Das Betreiben von chinesischen Restaurants traf dann nach dem Zweiten Weltkrieg auf eine aus den niederländischen Kolonialländern kommende Klientel, für die fernöstliche Küche kein Buch mit sieben Siegeln war. Chinesische Restaurants sprießen aus dem Boden wie nichts.

Die chinesische Gemeinschaft blieb allerdings immer unter sich: in Rotterdam oder in Amsterdam, wo sich in der Altstadt zwischen Geldersekade und Zeedijk, mitten im Rotlichtviertel, das Zentrum der holländischen Chinesen
befindet. Die Polizei hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten nie um die innerchinesischen Konflikte gekümmert. Es wurde intern geregelt.

In Almere, einer Vorstadt im Nordosten von Amsterdam am IJsselmeer waren kürzlich mehr als 100 Restaurantbesitzer zusammen gekommen und bereiten jetzt eine landesweite Protestaktion vor.

Mit dem angekündigten Protest wollen die chinesischen Restaurantbetreiber auf ihre Situation aufmerksam machen. Zwar würden die ca. 10.000 Beschäftigten im chinesischen Gaststättengewerbe Lohnsteuer zahlen müssen, seien aber ständig durch Ausweisungsverfahren bedroht. Zu Beginn der 90-er Jahre wurden chinesische Arbeitsuchende zur Schulung in Sachen chinesischer Küche ins Reich der Mitte geschickt (auf Kosten des niederländischen Staates). Doch auch dies konnte nicht verhindern, dass das Gewerbe heute
über einen Mangel von 7000 qualifizierten Köchen klagt.

Niederländischer Staat und die niederländische Wirtschaft haben eine traditionell gute Beziehung zu China. Neben den großen Konzernen erfreut sich beispielsweise die Ajax-Jugendfußballschule in China größter Beliebt-
und Bekanntheit. In Amsterdam entsteht zurzeit ein chinesisches Zentrum. Auf dem Oosterdokseiland vor dem Hauptbahnhof werden mehr als 1,2 Mrd. Mark investiert. Bis 2009 soll hier ein luxuriöses asiatisches 5-Sterne-Hotel entstehen: mit Kongresszentrum, Einkaufspassagen, Wohnungen, Restaurants und einer öffentlichen Bibliothek.

Chuen Yau But, 53-jähriger Chinese aus Amsterdam und Betreiber des Sea Palace-Restaurants in der niederländischen Hauptstadt (am Hauptbahnhof, 1000 Plätze) sagte anlässlich der Vorstellung der Pläne für das Amsterdamer New Chinatown: Die älteren Chinesen, die vor langer Zeit in die Niederlande gekommen sind, und ihre Kinder arbeiteten alle in Restaurants. Als ich vor 30 Jahren ins Land kam, erhielt ich einen Job als Koch bei meiner Schwester. Danach eröffnete ich eigene Restaurants in Arnheim, Breda und Zevenbergen.
Und jetzt kommt die neue Generation: Kinder, die studieren, die keine Lust mehr auf Restaurants haben, aber in die Unternehmen drängen. Im alten Chinatown am Zeedijk ist kein Platz mehr. Also dachte ich: Wir müssen was
tun."


10-April-2001

 
 
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