Wer nicht weiß, wohin er will, dem ist kein Wind recht. (Wilhelm von Oranien)
 


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Egon Boesten
Meine Begegnung mit Louis van Gaal
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Den Haag (470000 Einw.): Regierungssitz mit Beinahe-Blick aufs Meer

Wenn man in Den Haag für jedes bestehende Museum eine Stunde Zeit zur Verfügung hätte, benötigte man genau einen Tag, um alle Museen der Stadt zu besuchen. Trotzdem gilt heute: Der Sitz der niederländischen Regierung Den Haag ist nicht das kulturelle Zentrum des Landes. In der zweiten Hälfte des 19. Jh., zur Zeit der Haager Maler-Schule, war das anders. Die an Malerei interessierte Welt blickte auf Den Haag, und die nach der Stadt benannte Maler-Schule - im Gefolge der französischen Barbizon-Gruppe - blieb mit der Staffelei nicht im Künstler-Atelier, sondern malte draußen. Die bekanntesten Vertreter der Haager Schule sind Jozef Israels (1824-1911), Hendrik Willem Mesdag (1831-1915), die Gebrüder Jacob (1837-1899), Matthijs (1839-1917) und Willem Maris (1844-1910), Johannes Bosboom (1817-1891) und viele andere. Von Johannes Hendrik Weissenbruch (1824-1903) stammt der die Haager Schule am besten charakterisierende Satz: "Licht und Luft _ das ist die Kunst". Den Haag war aber in der Vergangenheit nicht nur kulturelles Zentrum. In der Paviljoensgracht 72-74 lebte der Philosoph Baruch de Spinoza nach seiner Ausweisung aus der jüdischen Gemeinde von Amsterdam von 1671 bis zu seinem Tod 1677. Im Gebäude aus dem 17. Jh. befindet sich jetzt die Spinoza-Bibliothek.

Der Name Den Haag (offiziell in der Amtssprache: 's Gravenhage) ist sehr stark mit der internationalen Politik in Vergangenheit und Gegenwart verbunden. Auf Initiative von Zar Nikolaus fand die erste internationale

Friedenskonferenz auf Huis ten Bosch statt, da wo heute Königin Beatrix lebt. Die Haager Friedenskonferenzen von 1899 und 1907 führten zu den Haager Konventionen, ein Meilenstein in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit. Erst zu Beginn des 19. Jh. unter Ludwig Bonaparte bekam Den Haag Stadtrechte, aber schon vorher war Die Haghe, wie die Niederlassung der Grafen von Holland genannt wurde, Regierungszentrum der holländischen Grafen.

Innerhalb des heute zum größten Teil zugeschütteten Grachtengürtels hatten sich im 17. Jh. viele Kolonialherren niedergelassen. Ihre prächtigen Häuser gibt es zum größten Teil heute noch. Die besondere Verbindung mit "Ons Indie", wie die Kolonien auf dem Gebiet des heutigen Indonesien genannt wurden, kommt auch noch durch das jährlich Ende Juni gefeierte Fest Pasar Malam Besar. An zehn Tage verwandelt sich das Malieveld in einen indischen Markt mit exotischen Speisen und Kulturangeboten aus Indonesien. Die indonesischen Restaurants von den Haag können auf eine besonders lange Tradition zurückblicken.

Der Stadtteil um die Grote Kerk und den Binnenhof wurde Zentrum des Verwaltungsapparates, während in der sogenannten Burgerstad ein schickes Wohnviertel entstand, das sich mehr und mehr in Richtung Nordsee ausdehnte. Seit Anfang dieses Jh. ist der Badeort Scheveningen komplett mit Den Haag verwachsen; das gleiche gilt inzwischen für Rijswijck im Süden von Den Haag und Zoetermeer im Westen, einer modernen Trabantenstadt, die 1992 Schauplatz der alle zehn Jahre stattfindenden Weltgartenbau-Ausstellung war. Das

inzwischen Den Haag eingemeindete Voorburg ist der Platz, an dem das Forum Hadriani gestanden hat. Die nach dem Kaiser Hadrian benannte und um 270 verschwundene Festung war die nördlichste Stadt des römischen Reiches.

Die Bewohner von den Haag - behauptet man immer - seien sehr vornehm. Der niederländische Kabarettist Paul van Vliet, selbst gebürtiger Haager, meinte nur sarkastisch, man könne seinen eigenen Charakter in nur einem Wort fassen: "Pardon". Hartnäckig - das sagen wiederum Nicht-Haagenaarse - hält sich auch das Gerücht, die Menschen in Den Haag nehmen ihr Frühstücksbrot im Geigenkoffer mit zur Arbeit. Richtig ist auf jeden Fall, dass die Beschäftigten der Ministerien und internationalen Institute ein Viertel der Berufsbevölkerung stellen.

Die Züge aus Amsterdam fahren bis zum Hauptbahnhof, die internationalen Verbindungen nach Brüssel und Paris machen dagegen am ältesten Bahnhof von Den Haag Halt, der Station Hollands Spoor (Den Haag HS). Nicht nur Eisenbahn-Liebhaber können sich an dem Neorenaissance-Bau aus den Jahren 1888-93 erfreuen, der in den 80er restauriert wurde, teilweise kurz danach wieder abbrannte und jetzt in neuem Glanz erstrahlt. Im Mittelteil ist auch heute noch der Königliche Wartesaal.

über die Herengracht (Verlängerung des Bezuidenhoutseweg) führt ein Stadtspaziergang ins Zentrum von den Haag mit dem (**) Binnenhof (3). Der bundesdeutsche Besucher wird sich im Binnenhof über politische

Demonstrationen wundern. In Den Haag kennt man keine Bannmeile.

Im Mittelpunkt des Binnenhof steht der (*) Ridderzaal, in dem die Königin an jedem dritten Dienstag des Jahres das Parlamentsjahr mit der Thronrede eröffnet. Der Teich bezieht sein Wasser aus dem vollständig Überbauten

Haagse Beek, der im Dünengebiet von Kijkduin entspringt. Nachdem die Geschäfte in der Haager Passage dies einmal als Preisfrage stellten, wissen die Bürger von den Haag, wie viel Wasser der Hofvijver enthält: 33 660 000

Liter.

Durch die Grenadiers- oder Mauritspforte erreicht man das (***) Mauritshuis, Plein 29, Ecke Vijverberg. Statthalter Frederik Hendrik ließ das Haus um 1630 im klassizistischen Barockstil erbauen. Jacob van Campen und Pieter

Post besorgten die Entwürfe für eins der schönsten Beispiele des niederländischen Klassizismus. Johan Maurits van Nassau, 1936 Gouverneur von Brasilien, bewohnte es als erster. Ionische Säulen zieren Vorderfront und

Rückseite des Gebäudes, in dem eine der bedeutendsten Sammlungen alter holländischer Meister-Gemälde untergebracht ist. Bilder von Holbein, Rembrandt, Vermeer, Jan Steen, Frans Hals, Van Goyen oder Van Dijck sind zu sehen. Bekanntestes Werk ist Rembrandts "Anatomie des Dr. Tulp".

Cornelis van Schuylenburch ließ den städtischen Palast, Huis Schuylenburch (8), Lange Vijverberg 8, 1715 im Ludwig XIV-Stil bauen (Daniel Marot). Der deutsche Kaiser kaufte es 1888 für seine Gesandten. Schuylenburch ist

seitdem Amtswohnung des deutschen Botschafters in den Niederlanden.

Eine Prachtallee ist die Straße Lange Voorhout (10). Hier dominieren die Gebäude der ausländischen Vertretungen. Vom ersten Donnerstag im Mai bis zum letzten Donnerstag im September verwandelt sich die Straße, die bei der Konzipierung der Berliner Allee Unter den Linden Pate gestanden hat, in einen der schönsten europäischen (**) Antik- und Flohmärkte. Das Haager (*) Hotel Des Indes (12), Lange Voorhout 56, inzwischen ein Teil der Crest-Hotelkette, ist unbestritten das erste Haus am Ort. Nicht wenige setzen das am 1. Mai 1881 von Prinz Frederik eröffnete "Des Indes" sogar noch vor das noble Amsterdamer Amstel-Hotel. Die legendäre Tänzerin Mata Hari kehrte hier ein und aus. Äthiopiens Kaiser Haile Selassie wählte das "Des Indes" als Zufluchtsort, während die italienischen Faschisten sein Land in den 30er Jahren besetzt hielten. Die teuerste Rechnung machte allerdings nicht Popstar Prince, als er in den 80er Jahren die Suite für einen Tagespreis von über 1000 Gulden anmietete. Eine spanische Delegation, die das Land auf der iberischen Halbinsel vor dem

Internationalen Gerichtshof von Den Haag vertrat, Übernachtete während der Verhandlungen im "Des Indes". Man pflegte mit Kaviar und Champagner zu frühstücken. Nach einem Jahr endete der Prozess. In Den Haag weiß man heute nicht mehr, worum es dabei ging. Nur die Höhe der Rechnung, die von den Spaniern beglichen werden musste, ist bekannt. Sie soll den Betrag von einer Million Gulden überschritten haben.

Der Königliche Palast (13), Lange Voorhout 74, war ursprünglich ein bürgerliches Wohnhaus. Anthony Patras, friesischer Abgesandter bei den Generalstaaten, lebte dort (18. Jh.). Direkt an der Straße Noordeinde liegt

der Königliche Palast Noordeinde (14), nach der vollständigen Restaurierung 1977-1984 der Arbeitsplatz der Königin in Den Haag.

Scheveningen ist kaum vier Kilometer vom Haager Stadtzentrum entfernt. Wer sich den Weg sparen will, aber trotzdem die Aussicht auf Strand, Dünen und Meer genießen will, muß ins Museum (*) Panorama Mesdag (15), Zeestraat 65b, gehen. Ein Riesengemälde von 120 Metern Breite und 14 Metern Höhe bietet sich dem Betrachter. Von Hendrik Willem Mesdag und seiner Frau Sientje wurde es 1880/81 gemalt. Auch der junge Maler George Hendrik Breitner half bei der Arbeit an einem der größten Gemälde der Welt mit.

Der Haager Friedenspalast, Carnegieplein 2, ist eine 1,5-Millionen-Dollar-Schenkung des Amerikaners Andrew Carnegie, ein Stahlmagnat. Das von Berlage gebaute Gemeentemuseum Den Haag, Stadhouderslaan 41,

beherbergt eine große Vielzahl von Kunstsammlungen. Porzellan, Glas, Möbel und Design stehen dabei gleichgewichtig nebeneinander. Herausragend ist jedoch die große Mondriaan-Sammlung. Die Werke "Dämmerung" (1890), "Selbstbildbnis" (1918), "Die rote Wolke" (1907), "Windmühle im Sonnenlicht"

(1908), "Komposition mit Rot, Gelb und Blau" (1921) und "Komposition mit gelben Linien" (1933) dokumentieren eindrucksvoll das künstlerische Schaffen von Piet Mondriaan, der zu den Wegbereitern der abstrakten Kunst des 20. Jh. gehört.

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Amsterdam - Berlin und
Berlin - Amsterdam


Die Holland-Frage
Kann Willem-Alexander in die Fußstapfen seiner Mutter treten?
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