Ein Vergleich mit Prinzessin Irene drängt sich in der Auseinandersetzung von Margarita und Königin Beatrix auf
Den Haag. Die Dolle Minna in Orange, eine Linke im Haus Oranje, Aktivistin, New-Age-Feministin oder auch einfach nur das Enfant terrible des niederländischen Königshauses. Nein, es geht nicht um Prinzessin Margarita, die zurzeit durch ihre Interview-Politik in der Haagse Post/De Tijd die Auflagen dieser kleinen Zeitschrift nach oben puscht (freier Verkauf von 25.000 pro Woche auf 75.000 pro Woche!). Nein, es geht bei der eingangs beschriebenen Frau um ihre Mutter, Prinzessin Irene von Lippe-Biesterfeld.
Die heute 63 Jahre alte Schwester von Beatrix hat vieles von dem, was heute Margarita betreibt, vorexerziert. Irene Emma Elisabeth wurde am 5. August 1939, wenige Tage vor Kriegsbeginn in Europa, geboren. Ihr Geburtsort: Palast Soestdijk bei Utrecht. Nachdem Nazi-Deutschland auch Holland überfallen hatte, emigrierte die königliche Familie der Niederlande nach England. Zusammen mit ihren Schwestern Beatrix und Margriet wuchs Irene in Kanada auf. Vater Prinz Bernhard war in London geblieben.
Als sie ihren sechsten Geburtstag wieder in heimischen Landen feiern durfte, war sie unglücklich. Ihre Mutter hatte 6000 Kinder eingeladen. Das Geburtstagskind konnte mit der Masse nichts anfangen. „Wo war ich selbst eigentlich?“, fragte sie sich später in ihrem 1995 auch in Deutschland erschienen Buch Gespräch mit der Natur.
Als Jugendliche führte Irene, immerhin noch gewissermaßen Reserve-Prinzessin hinter Beatrix, ein sorgloses Leben. Ski fahren, Reiten,, Kreuzfahrten, Theater und der Tanz bei den Bällen der europäischen Königsfamilien. Besondere Aufgaben – daran dachte damals noch keine niederländische Frau, weder die so genannte Durchschnittsfrau noch eine Prinzessin. In die Schlagzeilen geriet Irene 1964, als sie in einem Interview mit der größten niederländischen Tageszeitung, dem Telegraaf, behauptete, dass „das Spanien von Diktator Franco so schlecht nicht“ sei. Als sie dann wenige Tage, im Gebet in einer katholischen Kirche versunken, fotografiert wurde und ihr Übertritt zum traditionellen protestantischen Glauben der Oranier zum katholischen bekannt wurde, war der Eklat da. Die Niederlande standen Kopf. Parlamentarier brachen ihren Urlaub ab, um in Den Haag wegen der Krise vor Ort zu sein. Viele Schule, benannt nach Prinzessin Irene, ließen das Namensschild von den Gebäuden abmontieren.
Irene hatte sich damals in ein Kloster zurückgezogen, für ihre Mutter Juliana nicht auffindbar. Ihren protestantischen Glauben hatte Irene immer bedrückend empfunden: „Als Katholik hatte man immer noch die Chance auf Absolution“, erklärte sie. Noch mehr als ihr Glaubenswechsel brachte die niederländische Öffentlichkeit die Gerüchteküche in Erregung: Stimmte es, dass Irene sich verlobt? Und wenn ja, mit wem? Juliana behauptete in einem Fernsehinterview, da sei nichts dran. Prinz Bernhard flog später nach Spanien und kam in der unter dem Namen Nacht von Soestdijk mit der Meldung aus Spanien zurück: Irene hatte sich verlobt.
Prinz Carlos Hugo von Bourbon-Parma war der Auserwählte, Mitglied der verarmten Familie und Thronanwärter. Viel Pech für die Spekulationen in Spanien, dass die niederländische Regierung beschloss: Irene hat keinen Anspruch mehr auf den niederländischen Thron. Irene damals: „Ich will alles für Carlos Hugo aufgeben. Nun, da ich mit ihm verheiratet bin, habe ich nur noch ein Ziel: ihm bei seiner schweren politischen Aufgabe zu helfen.“ 2003, 39 Jahre später, klingt das bei ihrer Tochter Margarita ähnlich. Drei Monate lang beschäftigte sich die niederländische Presse damit, doch das Königshaus ging unbeschadet aus der ungewollten Publizität.
Die Bemühungen des Prinzen, mit seiner Carlistenpartei den spanischen Thron zu erobern schlugen fehl. Juan Carlos führte das Franco-Spanien ins moderne Europa, während die Ehe von Irene in den Niederlanden in der roddelpers (Regenbogenpresse) für Schlagzeilen sorgte. In der Öffentlichkeit machte man sich Sorgen um die Mitgift (ca. 5 Mio. Euro), die der Mann von Irene geradezu verjubelte. Prinz Claus untersagte dem Schwager gar, die Limousinen der Oranjes zu benutzen.
Nach 27 Jahren, am 26. Mai 1981, wurde die Ehe geschieden.
Übrig blieben „vier kleine Kinder mit enorm viel Energie und alle sehr eigenwillig", charakterisierte Irene Carlos Xavier Bernardo (33), Jaime und Margarita (30) und Maria Carolina (28). Prinzessin Irene machte sich einen Namen als Friedenskämpferin und Feministin, studierte bei Anja Meulenbelt (Die Scham ist vorbei) und nannte sich nicht mehr Prinzessin, sondern Irene von Lippe-Biesterfeld. 2001 entstand die Lippe-Biesterfeld-Naturschule; Unterricht gibt sie auch auf ihrem Wohnsitz in der südafrikanischen Karoo-Wüste. Ihre Liebhaber begleiteten sie durch die Gazetten. In Deutschland wird Herman van Veen, der UNICEF-Botschafter und Entertainer, häufig genannt, in den Niederlanden mehr andere Namen. In der Zeitschrift Ons Koningshuis – unser Königshaus hatte Irene aber seit 1984 keine Chance. Der Chefredakteur nannte sie „die niederländische Skandalprinzessin, immer gut für eine hohe Auflage. Aber mein Blatt kann sie besser totschweigen. Meine Leser sagen: Irene gehört nicht mehr dazu, das Scheißmädchen (rotmeid).“
Knapp zwanzig Jahre später ergeht es ihrer Tochter Margarita nicht viel anders: Die kleine antimonarchistisch eingestellte Gruppe von Republikanern betrachten Margaritas Äußerungen mit Wohlwollen; die meisten Niederländer schätzen ihre Fortsetzungsgeschichten kaum, wie Umfragen ergeben haben.
©egon.boesten at holland-news.de
