Geffen (Gem. Oss). Irgendwo zwischen ’s-Hertogenbosch und Nijmegen, da wo auch die Wurzeln von Roy Makaay sind, steht auch die Wiege eines anderen niederländischen Torjägers, der sich inzwischen in der Fußballwelt einen Namen erschossen hat: Ruud van Nistelrooy, 27 Jahre alt, Torjäger von Manchester United.
„Ruudje – (gesprochen: Rüütje) hat seine Verbindungen nach Hause nie abreißen lassen. In Manchester dreht das Radio von morgens bis abends niederländische Programm, über Satelittenschüssel ist er jederzeit im Bilde, was in der niederländischen Ehrendivision gerade läuft. Und die Freunde von früher, aus dem 4500 Einwohner zählenden Dörfchen Geffen, heute Teil der Gemeinde Maasdonk, hat er nicht vergessen. Erst vor einem Jahr war er beim Klassentreffen der Sankt-Aloysius-Gundschule in Geffen. Aldo Griensven, wie Van Nistelrooy Jahrgang 1976, Anstreicher aus Geffen: „Ruud kam als einer der Letzten. Er erkannte beinahe jeden. Er war, das hörte ich auch von anderen Klassenkameraden, derselbe geblieben.“ Der frühere Mannschaftskamerad von Ruud van Nistelrooy in der F-Jugend des Geffener Klubs Nooitgedacht (Nie gedacht) Geffen, gerät in einem Interview mit der niederländischen Zeitschrift ins Schwärmen: „Er fühlt sich nicht als was Besseres. Er war wirklich daran interessiert, wie es uns ging. Was wir machten oder ob wir einen Partner oder Kinder haben.“
Aldo van Griensven arbeitet als Anstreicher in Rotterdam-IJsselmonde, morgens um vier Uhr aufstehen, zur Arbeit um sieben Uhr, nachmittags um halb fünf wieder zu Hause in der Pastoor van de Kampstraat bei seinen Eltern. „Ruud ist eine starke Persönlichkeit; das war er früher schon. Ich habe auch einen festen Willen. Was ich im Kopf habe, muss passieren. Ruud ist einer der besten Fußballer der Welt geworden, ich bin Anstreicher in Geffen. Ich glaube, dass wir beide glücklich sind.“
Mit seiner Freundin Joyce, Tochter des Trainers des Dorfklubs, will Van Nistelrooys früherer Mannschaftskamerad von Nooit Gedacht zusammen ziehen, in Geffen natürlich. Beide stehen bei einer Wohnungsgenossenschaft auf der Warteliste. Sein Freund aus gemeinsamen Jahren beim Fußballklub Nooit Gedacht: „Mein Vater war der erste Trainer von Ruud. Ruud hat einen Bruder und eine Schwester. Ron und Anneke. Ron spielt im oberen Amateurbereich Fußball, Anneke spielt Korbball.“
Der Name des ersten Van-Nistelrooy-Klubs Nooit Gedacht stammt von Kaplan Duffhaus. Der hatte 1929, als drei Fußballvereine der Gemeinde fusioniert, ausgestoßen: „Dat had ik nooit gedacht – das hätte ich nie gedacht“. Ein Klubname für die drei aus Geffen war gefunden. Ein begriff, der die Karriere von Ruud van Nistelrooy begleitet. Als er sich während des Trainings am Freitag, den 28. April, ein zweites Mal schwer verletzte, sein bereits abgeschlossener Wechsel zu Manchester United für alle Zeiten ausgeschlossen schien, er nach einem Jahr dann in der Mannschaft von Trainer Alex Ferguson stand, hat so mancher in den Niederlanden durchgeatmet: „Dat had ik nooit gedacht – das hätte ich nie gedacht“
Wenn Anstreicher Aldo van Griensven an Ruud denkt, denkt er „an einen Jungen, der in allem fanatisch war. Er wollte immer gewinnen. Beim Straßenfußball, auch bei anderen Spielen. Bei einem Kinderfest hatte eine Mutter Eierlaufen organisiert, ein Ei auf einem Löffel so schnell wie möglich zur anderen Seite bringen. Ruud musste das gewinnen, als das Ei herunterfiel, war er sauer auf sich selbst.“
Ruuds Heimatdorf ist eine Gemeinde zwischen zwei Mühlen. Die Gardinen sind hier offen; das erfuhren auch englische Journalisten, die sich nach Van Nistelrooys Wechsel von PSV Eindhoven zu Manchester vor zwei Jahren auf die Suche nach dem Umfeld des neuen Manchester-Stars machten. Bereitwillig gaben sie alle Auskunft: der Kirchengeschichtsschreiber, der Bürgermeister oder die Bedienung in der Dorfgaststätte De Gouden Leeuw, der Goldene Löwe. Anouschka Jongeneelen über eine Stippvisite von Ruud van Nistelrooy in seinem Dorf: „Wir hatten einen Schützenwettbewerb an der Mühle, aber dort waren weniger Leute als sonst. Ruud war im Dorf.“ Der Torjäger der britischen Premier League nahm zur selben Zeit an einem Elfmeterschießen teil, gab Autogramme und ging mit der erfolgreichen Mädchen-Schulmannschaft aufs Foto.
Vater Martinus van Nistelrooy (genannt Tiny) trainierte Ruud in der F- und in der E-Jugend: „Ich habe meine Söhne immer gefordert. Erst mit einem Tennisball im Haus, dann draußen im Garten, hier auf der Straße oder auf dem Platz, vor den Garagen oder später auf dem Fußballfeld“, erzählt Vater Van Nistelrooy dem niederländischen Fußballblatt VoetbalI International. „Das war seine Ausbildung. Ruud ist ein echter Fußballer, wenn er rausging, nahm er immer einen Ball mit.“
Aber Ruud van Nistelrooy war nicht nur ein guter Fußballer in seiner Jugend. Er hat die koreanische Kunst der Selbstverteidigung, Taekwondo, gelernt, und er hat auch Tennis gespielt. Tiny van Nistelrooy, der sich nach einem Vierteljahrhundert von seiner Frau hat scheiden lassen: „Was mich später immer wieder erstaunt hat, war sein Ehrgeiz. Das ist sein größtes Talent, glaube ich.“
In seinem Heimatdorf nahe der Maas halten sie Ruud van Nistelrooy in allen Ehren. Sein erster Klub Nooit Gedacht, gerade 75 Jahre alt geworden, hat ihm eine eigene Rubrik gewidmet mit Fotos von früher und von heute. Mit 14 ging er nach Oss, spielte für die Fußballer von Margriet, dann kam die Jugendfußballausbildung bei Hertogenbosch (unter dem späteren Ajax-Trainer Co Adriaanse), der Weg zum SC Heerenveen, wo er innerhalb eines Jahres zum Publikumsliebling wurde, schließlich Eindhoven. Beim niederländischen Meister bildete er mit dem Belgier Luc Nilis vor seinem Wechsel zu Manchester United das erfolgreichste Torjäger-Duo Europas.
Nur in der Nationalmannschaft klappt es mit Ruud van Nistelrooy hinten und vorn noch nicht. Im Golden Löwen von Geffen, wo Ruud van Nistelrooy mit dem Kicken begann, wissen sie warum: „Da müssen sie erst einmal einen guten Trainer hinsetzen. „
Schreibt er sich nun so oder so: Voetbal International, gewissermaßen der niederländische Kicker, sagt: Van Nistelrooy – mit „y“. Die linksliberale Volkskrant will schon vor drei Jahren herausgefunden haben: Van Nistelrooij – mit ij. Die Frage ist im Niederländischen immer wieder ein Thema. Johan Cruyff unterschreibt mit Cruijff, verkauft sich allerdings international mit Cruyff, also mit y. Bei Ruud van Nistelrooy, Manchesters Goalgetter, der inzwischen fast alle englischen Torjäger-Rekorde gebrochen hat, ist das ähnlich. 17 Van Nistelrooys in Ruuds Heimatort Geffen schreiben sich mit „ij“, 19 mit „y“, darunter auch Ruuds Vater Martinus.
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