In den Niederlandenbleibt man kein eingebürgerter Ausländer, nach einer gewissen Zeit gibt es nur noch Niederländer. (Hans Keilson, Exil-Schriftsteller aus Freienwalde/Oder)
 


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Egon Boesten
Meine Begegnung mit Louis van Gaal
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Meine Begegnung mit Louis van Gaal

Amsterdam, Nijmegen, Noordwijk, Alkmaar

Von Egon Boesten

Meine Begegnung mit Louis van Gaal

Es war an diesem legendären nationalen Feiertag. Im Jahr 1995. Ajax Amsterdam mit Kluivert, Davids und Co. war drauf und dran, die Champions League zu gewinnen. Knapp drei Wochen vor dem Finale von Wien war ich in Amsterdam. Nicht um den Geburtstag der Königin zu feiern, sondern um das große Ajax, das kurz zuvor Bayern München mit forschem Angriffswirbel aus dem Wettbewerb gekegelt hatte, beim Training zu beobachten. Mein Sohn Henk, sechseinhalb Jahre alt, musste mit. Nein, durfte mit. Beim Shuttle-Test (20 m hin und her laufen in einem kürzer werdenden Intervallen) gewann, wieder einmal, Jari Litmanen. Trainer Louis van Gaal schaute sich von weitem an, wie seine Fußballer mitmachten: Schulter nach hinten geschoben, Brust ein wenig nach vorn, sodass die Nase gar nicht anders konnte, als etwas höher als normal zu stehen. Gemessenen Schrittes ging Louis van Gaal auf eine Gruppe älterer Fans (oder muss man sagen: ständiger Beobachter) zu. „Ich habe für Dich und Deine Frau zwei Karten für Wien zurücklegen lassen.“ Der alte Mann, der es hörte, war gerührt. Louis van Gaal, wie ihn viele kennen, die ihn kennen.

Einige Monate später hatte ich ein weiteres Mal Gelegenheit, Luis van Gaal zu erleben: beim Gastspiel mit Ajax beim kleinen NEC in Nijmegen. 8:0 für Ajax, Amsterdams Libero Danny Blind stand meist kurz vor dem Strafraum von NEC. Der spielerischen Arroganz von Ajax auf dem Platz stand die des Trainers neben dem Feld nicht nach.

Ich musste daran denken, als ich Louis van Gaal, schon gezeichnet durch zwei wenig erfolgreiche Episoden in Barcelona (nur spanischer Meister, keine Champions League) und eine verpasste WM-Qualifikation („Ohne Holland fahr’n wir . . .“). Im niederländischen Badeort Noordwijk aan Zee stolzieren sah. In einem der gemütlichen Strandpavillons. Es war ziemlich voll. Van Gaal war auf der Suche nach einem Platz vorn am Windschutz, mit ungetrübtem Blick aufs Meer, seine spätere Frau Truus stand abwartend im Hintergrund. Es dauerte nicht lange, und der Chef des Strand-Bistro erschien – und besorgte Louis van Gaal den gewünschten Tisch mit Nordseeblick.

Das gewohnte Bild einige Jahre später in Alkmaar. Im supermodernen, aber schnuckelig-kleinen AZ-Stadion von Dierk Scheringa, dem niederländischen Berlusconi, wie man manchmal abwertend, meist aber respektvoll den großen Mäzen von AZ Alkmaar beschreibt. Louis van Gaal leitete das Training, ohne wirklich einzugreifen, ließ seine Assistenten Shota Arveladze und den Praktikanten Patrick Kluivert die Arbeit tun. Für das anschließende Gespräch mit dem Fernsehen nahm sich Van Gaal, der sich zu diesem Zeitpunkt anschickte, mit dem kleinen AZ Alkmaar, sensationell, niederländischer Fußballmeister zu werden, nicht einmal die Zeit stehen zu bleiben.

Louis van Gaal jetzt also bei Bayern München. Ich bin kein Bayern-Fan, aber Van-Gaal-Fan, deshalb können sich die Schalkes, Hamburgs, Bremens und Co. in der Fußball-Bundesliga in den nächsten zwei Jahren darauf konzentrieren, den zweiten Platz in der Fußball-Bundesliga zu erreichen. Platz eins ist spätestens ab der nächsten Saison erst mal wieder für Bayern reserviert.

Es war an diesem legendären nationalen Feiertag. Im Jahr 1995. Ajax Amsterdam mit Kluivert, Davids und Co. war drauf und dran, die Champions League zu gewinnen. Knapp drei Wochen vor dem Finale von Wien war ich in Amsterdam. Nicht um den Geburtstag der Königin zu feiern, sondern um das große Ajax, das kurz zuvor Bayern München mit forschem Angriffswirbel aus dem Wettbewerb gekegelt hatte. Mein Sohn Henk, sechseinhalb Jahre alt, musste mit. Nein, durfte mit. Beim Shuttle-Test (20 m hin und her laufen in einem kürzer werdenden Intervallen) gewann, wieder einmal Jari Litmanen. Trainer Louis van Gaal schaute sich von weitem an, wie seine Fußballer mitmachten: Schulter nach hinten geschoben, Brust ein wenig nach vorn, sodass die Nase gar nicht anders konnte, als etwas höher als normal zu stehen. Gemessenen Schrittes ging Louis van Gaal auf eine Gruppe älterer Fan (oder muss man sagen: ständiger Beobachter) zuzugehen. „Ich habe für Dich und Deine Frau zwei Karten für Wien zurücklegen lassen.“ Der alte Mann, der es hörte, war gerührt. Louis van Gaal, wie ihn viele kennen, die ihn kennen.

Einige Monate später hatte ich ein weiteres Mal Gelegenheit, Luis van Gaal zu erleben: beim Gastspiel mit Ajax beim kleinen NEC in Nijmegen. 8:0 für Ajax, Amsterdams Libero Danny Blind stand meist kurz vor dem Strafraum von NEC. Der spielerischen Arroganz von Ajax auf dem Platz stand die des Trainers neben dem Feld nicht nach. Ich musste daran denken, als ich Louis van Gaal, schon gezeichnet durch zwei wenig erfolgreiche Episoden in Barcelona (nur spanischer Meister, keine Champions League) und eine verpasste WM-Qualifikation („Ohne Holland fahr’n wir . . .“). Im niederländischen Badeort Noordwijk aan Zee sah meine Frau Meneer Louis stolzieren. In einem der gemütlichen Strandpavillons. Es war ziemlich voll. Meneer Van Gaal war auf der Suche nach einem Platz vorn am Windschutz, mit ungetrübtem Blick aufs Meer, seine spätere Frau Truus stand abwartend im Hintergrund. Es dauerte nicht lange, und der Chef des Strand-Bistro erschien – und besorgte Louis van Gaal den gewünschten Tisch mit Nordseeblick.

Das gewohnte einige Jahre später in Alkmaar. Im supermodernen, aber schnuckelig-kleinen AZ-Stadion von Dierk Scheringa, dem italienischen Berlusconi, wie man manchmal abwertend, meist aber respektvoll den großen Mäzen von AZ Alkmaar beschreibt. Louis van Gaal leitete das Training, ohne wirklich einzugreifen, ließ seine Assistenten Shota Arveladze und den Praktikanten Patrick Kluivert die Arbeit tun. Für das anschließende Gespräch mit dem Fernsehen nahm sich Van Gaal, der sich zu diesem Zeitpunkt anschickte, mit dem kleinen AZ Alkmaar, sensationell, niederländischer Fußballmeister zu werden, nicht einmal die Zeit stehen zu bleiben.

Louis van Gaal jetzt also bei Bayern München. Ich bin kein Bayern-Fan, aber Van-Gaal-Fan, deshalb können sich die Schalkes, Hamburgs, Bremens und Co. in der Fußball-Bundesliga in den nächsten zwei Jahren darauf konzentrieren, den zweiten Platz in der Fußball-Bundesliga zu erreichen. Platz eins, so scheint mir, ist spätestens ab der nächsten Saison erst mal wieder für Bayern reserviert.

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