In den Niederlandenbleibt man kein eingebürgerter Ausländer, nach einer gewissen Zeit gibt es nur noch Niederländer. (Hans Keilson, Exil-Schriftsteller aus Freienwalde/Oder)
 


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Meine Begegnung mit Louis van Gaal
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Jan Wouters - schon jetzt in einer Reihe mit Rinus Michels, Johan Cruijff und Louis van Gaal

Amsterdam (boe). Er ist der bekannteste Co-Trainer der Niederlande, machte bei seinem Klub alle Großen der Nachkriegszeit mit: Rinus Michels, Steve Buckingham, Stefan Kovacz, Jophan Cruijff, Leo Beenhakker, Louis van Gaal. Als Jan Wouters vor Weihnachten Morten Olsen als Trainer bei Ajax Amsterdam ablöste, sprach Ajax-Co-Trainer Bobby Haarms diese Worte gelassen aus: "Mit ihm haben wir den Besten für Ajax bekommen. Sein Wissen ist groß; Jan Wouters gehört für mich in eine Reihe mit Michels, Cruijff, Van Gaal und wie sie alle heißen - jaja, jetzt schon."

Der, über den sich die lebende Ajax-Legende so äußert, hat im Dezember ein schweres Amt übernommen. Jan Wouters, schon in seinem 38. Lebensjahr als Fußballtrainer da angekommen, wo viele von träumen, hat kein Weltteam mehr. Von der besten Vereinsmannschaft der Welt aus den Jahren 1993 bis 1996 sind nur noch Torwart Edwin van der Sar und der Finne Jari Litmanen übriggeblieben - und auch die zieht's zum Saisonende ins Ausland.

Jan Wouters, Stratege auf dem Fußballplatz in seiner aktiven Zeit beim FC Utrecht, bei Ajax, PSV Eindhoven und Bayern München, steht mit seiner Arbeit in der Ajax-Tradition. Hennie Henrichs aus der Ajax-Führungsetage: "Man kann erkennen, daß Jan genau dabei ist, die spezifischen Aspekte des Ajax-Spiels in Trainingsformen umzusetzen." Der Ajax-Stil - das ist seit den Zeiten des Totalfußballs von Rinus Michels und Johan Cruijff: hohes Balltempo, gutes Positionsspiel, schnelle, technisch perfekte Ballannahme, eine hohe Ballzirkulation.

Sein Trainingsplan läßt viel von dem sehen, was sich im Spiel von Ajax 2000 durchsetzen muß: Positionsspiele, Technik, Ballannahme, Komplexübungen auf kleinem großen und mittleren Feld.5 gegen 2, 8 gegen 8, 6 gegen 2 - die Einflüsse des Johan Cruijff sind deutlich. Training ist bei Wouters Tag für Tag Neues lernen, Altbekanntes verbessern, verbessern und noch mal verbessern. Jan Wouters: "Der Einfluß von Cruijff auf meine Karriere ist groß gewesen. Er lehrte mich den Ball so anzunehmen, daß ich immer in der Richtung stand, wo der Ball auch hin mußte."

Realistisch schätze er bei seinem Abschied als Spieler 1996 ein: "In der Jugendabteilung von Ajax wäre ich nicht weiter gekommen." Heute hat er genau die Aufgabe, junge Spieler aus der Ajax-Jugend und/oder zweiten Mannschaft an den europäischen Top-Fußball heranzuführen. Die Möglichkeit, im In- oder Ausland groß einzukaufen (Ajax ist auf der Liste der reichsten Klubs der Welt die Nummer 17 mit einem geschätzten Wert von 89 Mio. Gulden (81 Mio. Mark) lehnt Wouters ab.

Mit Wouters geht Ajax wieder zurück an seine Roots: die Aufbauarbeit. Für den auf dem Spielfeld immer knorrigen Mittelfeldmann, der in den Niederlanden und Deutschland gleichermaßen geschätzt wurde, gibt es nichts Schöneres, als die "Spieler besser zu machen". Er lebt auf, wenn ein Spieler aus "seiner" zweiten Mannschaft (die er eineinhalb Jahre coachte) den Sprung nach oben schafft. Jan Wouters: "Richard Knopper - der Junge macht's gut hier. Ich könnte lamentieren über den Weggang von Frank und Ronald (de Boer), könnte beklagen, daß Spieler wegen ihrer Nationalmannschaft (Babangida, Benni, Litmanen und viele andere) fehlen, aber ich sehe es lieber positiv. Während ihrer Abwesenheit kann ich andere einbauen. Dann finde ich es unheimlich schön, wie ein Junge wie Knopper sich beweist."

Während er in seiner aktiven Zeit auf dem Spielfeld häufig Schiedsrichterentscheidungen einklagte bei Foulspiels des Gegners, sein Strafregister als Profi-Fußballer und 70facher holländischer Nationalspieler auch nicht allzu gering war, scheint er sich am Spielfeldrand zu ändern. Jan Wouters: "Ich finde es heute interessant zu sehen, wie ein Spieler ein Tackling verarbeitet, ob er es wegsteckt. Das verrät so viel über seinen Charakter."

Ajax-Oldie Danny Blind bemerkt es mit einem Augenzwinkern: "Als Fußballer reagiert man emotional, als Trainer macht man das etwas dosierter. Aber es wird wohl irgendwann dann doch noch mal zu einer kleinen Explosion kommen." In der Meisterschaft blieb Wouters mit Ajax anfangs ohne Niederlage - aber auch ohne Sieg (Feyenoord 1:1, Heerenveen 0:0). Beim 3:0 in Stuttgart in einem Testspiel allerdings schwärmten Beobachter aus dem In- und Ausland wieder vom altbekannten Ajax-Stil, der den Gegner schwindelig macht. Wouters in einer Reihe mit Michels, Cruijff oder Van Gaal?

Der Meisterschaftszug ist trotz Wpouters schon längst in der niederländischen Ehrendivision in Richtung Feyenoord Roitterdam abgefahren. Der oder dritte Platz, die Zugangskarte zur neuen Champions League für Oranje-Vereinsteams, scheint noch möglich. Das 5:0 gegen Sparta Rotterdam - wo man im Hinspiel mit Trainer Olsen noch unterlag - deutete darauf, daß der Ajax-haus-Stil unter Wouters wieder zum Leben erweckt wird.

Es zeigt das Format von Wouters, daß er den mit Tamtam nach Barcelona gewechselten De-Boer-zwillingen kein böses Wort nachsagt, im Gegenteil gab es nach dem weggang nur Komplimente: "Wenn sie auf dem Platz waren, dann gaben sie alles. Angesichts der ärgerlichen Situation zeugte dies von großer Klasse."

Nur Gutes auch über sein dreijähriges München-Gastspiel: "Als Trainer bin ich froh über meine Erfahrung bei Bayern; ich lernte andere denkweisen kennen, andere Ausgangssituationen." Große Unterschiede sah und sieht er in der Trainingsarbeit: "Manchmal dachte ich in München: Wie ist es möglich, daß wir gewonnen haben? Dreimal über der Mittellinie, dreimal das Tor getroffen. In Deutschland hörte man keinen, wenn beim Training der Ball nicht sofort gespielt wurde, aber o weh, wenn ein Chance vertan wurde."

In Richtung der holländischen Fußball-Philosophie des absoluten Angriffsfußballs gewandt, sagt Wouters: "In Deutschland spielt man den Fußball weniger, deshalb glaubt man, daß jede Chance die letzte sein kann, um ein Tor zu machen. Und da geht's doch eigentlich drum."

Daß er nach seiner achtzehnjährigen profi-Laufbahn als Fußballer Trainer geworden ist, bereut Jan Wouters überhaupt nicht: "Sich auf etwas vorbereiten, das Spiel, die Freude oder die Enttäuschung - da kann man süchtig werden. Ich fand es schön, in dieser Welt aktiv zu bleiben. Und diese Chance habe ich jetzt bekommen."

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