Amsterdam. Während im deutschen Fußball allmählich der Glaube an echte Außenstürmer r la Stan Libuda wie früher oder Neuville wie heute landauf, landab zunimmt, werden beim Klub, dessen Drei-Spitzen-System heilig zu sein scheint, neue Diskussionen geführt. Jan Wouters denkt nach dem mittelmäßigen Abschneiden in der laufenden Meisterschaft (zweiter Platz, aber kaum weltbewegender Fußball) laut über eine Verändeurng des Ajax-Spielsystems nach: weg von drei Spitzen einschließlich der Außenstürmer, die an der Grundlinie entlang stauben hin zu zwei Spitzen.
Hintergrund: Nikos Machlas, einst auch von Bayern München umworbener griechischer Torjäger vergangener Tage (Vitesse Arnheim) trifft einfach nicht; Frank Verlaat hat Probleme, in der Abwehr das Spiel 1:1 zu beherrschen. Wenn es über das Ajax aus der Mitte der 90er Jahre geht, gerät auch Jan Wouters ins Schwärmen: "Mit Spielern wie Overmars, Kanu (beide Arsenal London, früher Ajax), oder Finidi (jetzt Betis Sevilla) entlastet man Brian Laudrup hinsichtlich der Abwehrarbeit."
Mit den Neuen, vor allem jüngeren Leuten, gehe das nicht - wie ein Blick auf die Blamage im UEFA-Cup (zweimal gegen Mallorca verloren, chancenlos). Also favorisiert Wouters das Spielsystem, das nichts mit dem alten Ajax zu tun.
Sein Mittelfeldregisseur Richard Witschge, kann sich damit einfinden: "Das Drei-Spitzen-System ist nicht heilig; das Ergebnis aber schon." Wenn man nicht die richtigen Flügelspieler habe, solle man das auch nicht spielen.
Sjaak Swart, ehemaliger Flügelflitzer von Ajax und lebendes Denkmal des 100-jährigen Klubs aus der niederländischen hauptstadt (Geburtstag ist im März): "Mit dem Drei-Spitzen-System ist der Verein groß geworden. Und deshalb darf man nicht davon abweichen. Ich glaube schon, dass Jan Wouters die richtigen Spieler hat, um mit drei Spitzen zu spielen." Sjaak Swart, langjähriger Cruyff-Gefährte, unterstreicht, dass es Zeit werde, dass die Spieler wieder Fußball spielen: "Ich will gern wieder das alte Ajax sehen - und dann natürlich mit Flügelspitzen."
Die Niederlagen gegen Tunesien (1:2), Anderlecht (0:3) in Testspielen und das Pokalausscheiden (übrigens ebenso wie F und PSV Eindhoven) macht Wouters Arbeit in Amsterdam nicht leichter.
©egon.boesten at holland-news.de
