Von Prof. Erwin Leibfried
Ingelheim/Deutschland. „Mein Unglück ist es, in Holland geboren zu sein, einem Land, wo nur eine Macht herrscht, ein Glaube, ein Gott: das Geld!“, klagt Eduard Douwes Dekker. Er wurde 1820 als Sohn eines Kapitäns geboren. Lange Jahre verbachte er als Kolonialbeamter in Niederländisch-Indien. Hier bildete er jene Erfahrung, die ihn zum Schriftsteller macht: die Entrüstung über die ausbeuterischen Missstände in den ostindischen Ländern (heute Indonesien). Im Roman Max Havelaar, der seiner literarischen Form wegen zur Weltliteratur zählt, klagt er das koloniale System an. Er hat seinen Protest mit Arbeitslosigkeit bezahlt; seither nennt er sich als Schriftsteller Multatuli. Das heißt: „Ich habe vieles ertragen.“
Dekker profiliert sich als progressiver Autor, der in allen reformwürdigen Regionen für eine Änderung eintritt: auf dem sozialen Gebiet, auf dem Felde der Theologie, der Pädagogik, der Stellung der Frau in der Gesellschaft, sogar schon in der Umweltfrage. Multatuli lebt nach unruhigen Zeiten lange in Wiesbaden, schließlich in Nieder-Ingelheim, wo er 1887 stirbt. In seinem Wohnhaus befindet sich heute die deutsche Multatuli-Forschungs- und Gedenkstätte.
Vom Max Havelaer gibt es Übersetzungen in weit mehr als ein Dutzend Weltsprachen; Lenin erwähnt den Holländer mehrfach, Hermann Hesse liest ihn, Klaus Mann berichtet von der gemeinsamen Lektüre im Familienkreis. Brückner hat aufgezeigt, dass Multatuli zu den Lieblingsautoren Sigmund Freuds zählte. Als eines seiner Ziele nennt Multatuli: „Ich will, dass die Menschen Brot haben – Brot, Fleisch und Lust am Leben.“
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